Sarah Lesch im Jazzclub Tonne

Mehrere Gitarren stehen auf der Bühne im Jazzclub Tonne bereit, Kerzen schimmern und die Gäste warten gespannt auf den Auftritt. „Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand ich sehe euch und ich bin nicht allein Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde. Die passen auch nicht hinein“ singt Sarah Lesch und spielt damit ihren wohl aktuell erfolgreichsten Song auf der Bühne.

Gerade so haben im Jazzclub Tonne alle Konzertgäste hineingepasst. Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft und so staut sich schnell die Luft im beschaulichen Gewölbekeller. Sarah Lesch ist eine Liedermacherin mit anspruchsvollen Texten. Sie sind oft kritisch und besingen die großen und kleinen Probleme dieser Welt. Den Song Testament hat sie ihrem Sohn gewidmet und kritisiert darin die Konsumgesellschaft und den Wunsch der Menschen immer angepasst zu sein und alles mitzumachen. „Alle finden´s scheiße aber alle machen sie mit“, singt Sarah und im Publikum stimmt zustimmend ein. Nur wenige Zeilen von Sarah Lesch sind Mitsing geeignet es finden sich nicht viele eingängige Refrains. Das Publikum in Dresden hört lieber zu. Es ist super still im Zuschauerraum. Bis der letzte Akkord verklingt, denn dann gibt es lauten Applaus und jubelnde Rufe.

Flauschige Schafe und Sansibarsand

Die durfte auch bereits Lukas Meister entgegennehmen. Der Künstler eröffnete den Abend und singt über flauschige Schafe und Sansibarsand. Seine Texte sind sehr metaphorisch und mit Bildern geschmückt. Bis auf den vielleicht kürzesten Song der je auf dieser Bühne gespielt wurde. Er beginnt mit den Worten „Hast du das alles nur getan, um mich ins Bett zu kriegen?“ Damit sei dann auch alles gesagt, meint Lukas schmunzelnd.

Im weiteren Abend begleitet der Gitarrist Sarah Lesch im Background und begeistert dabei mit einigen Gitarren Solis und anspruchsvollen Zupftechniken. Er wechselt zwischen Gitarre, Mini Keyboard und Mundharmonika hin und her und schafft dabei eine super abwechslungsreichen Sound. Auch Benni Benson tritt als Background Gitarrist von Sarah Lesch mit auf und verleiht mit seinem Gitarrenspiel dem Sound einen sehr atmosphärischen Klang.

Songs schreiben auf dem Tankstellenklo

Die klare helle Stimme von Sarah führt durch den Abend, der viel mit persönlichen Geschichten aus Sarahs Leben ausgeschmückt wird. Sie erzählt, wie Songs auf den Standstreifen der Autobahn entstanden sind oder auf dem Tankstellenklo. Die kleinen Geschichten machen das Konzert auch zu einem sehr persönlichen Erlebnis. „Wenn man schon jeden Tag ein Mikro vor der Fresse hat, kann man auch mal was sagen“, findet Sarah und spricht über Mütter die in Kriegen ihre Kinder verlieren und ergänzt: „Manchmal komme ich mir ganz schön blöd vor, weil ich weiß bin und heterosexuell und eigentlich keine Ahnung habe, was es bedeutet von Terror betroffen zu sein.“ Trotzdem hat sie versucht einen Song darüber zu schreiben. Das macht sie immer so, wenn ein Thema sie nicht mehr los lässt. Genauso hat sie auch einen Song über Suchtprobleme geschrieben.

Schnaps und Liebe

Aber natürlich gibt es auch bei Sarah Schnaps und Liebe, so wie sie den zweiten Teil des Konzerts ankündigt. Es geht um Reisen und Strände und Träume. „Wir brauchen nichts grade außer ein bisschen weniger Luxus“ singt Sarah und ein bisschen mehr Stimmung wäre sicher auch nicht verkehrt. Denn so zauberhaft und ruhig der Abend auch ist, die Füße schmerzen, wenn man nicht tanzen kann.

Doch insgesamt ist Sarah Lesch eine großartige Künstlerin, die ihre Anliegen und Botschaften mit klugen Worten und Ratschlägen in die Welt trägt und Lieder für jede Lebenssituation geschrieben hat. Ihre lockere Art schafft spontane Momente auf der Bühne die jeden Konzertabend einzigartig machen.

Text und Foto: Meike Krauß