LJZO – Ein Leben im Orchestergraben?

Orchester – spielen nur Klassik, sind langweilig, brauchen keine Proben, haben Reibereien zwischen den einzelnen Instrumenten, Orchester sitzen immer im Graben vor der Bühne

 Fakten oder nur Klischees? Dieser Frage gehe ich am Beispiel des Landesjugendzupforchesters Sachsen (LJZO)  auf den Grund.  Aber Orchester sind ja bekanntlich alle gleich, oder? Ein “normales“ Orchester besteht aber nicht nur aus Zupfinstrumenten, wie Gitarre, Mandoline, und Bass.

1993 gründete Erhard Fietz ein solches Jugendorchester und gab somit unserer jüngeren Generation eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten, sich auszutauschen und Neues zu erlernen. Trotz der geringen Anzahl von nur drei Probenphasen jährlich, hält sich das Niveau stets hoch, und es besteht keine Frage, dass hier die Besten der Besten spielen! Seit Herbst 2015 leitet Katja Wolf, selbst Gitarristin und Dozentin, das LJZO Sachsen mit dem Ziel, die Musiker weiterhin zu Höchstleistungen zu motivieren.

Einige stellen sich bestimmt die Frage: Was soll ich mir denn da anhören? Die spielen doch sowieso nur Klassik. Von wegen! Stücke wie „Fluch der Karibik“ oder Themen aus „Der Zauberer von Oz“, denen ich selbst bei einem Konzert mit voller Begeisterung gelauscht habe, waren bereits Teil des Programmes. Und auch Eigenkompositionen wie „Fahrrad fahren“ von Franziska Henke sind im LJZO Sachsen gern gesehen. Somit ist ein Orchesterbesuch nicht immer langweilig und einseitig und jeder Zuhörer kommt bei einem solchen Auftritt gewiss auf seine Kosten.

„Jede Stimme bildet eine Einheit – und doch kann keine ohne die anderen. Es ist ein „liebender Kampf“ um Melodien, Themen, Klänge, welcher doch nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen und ihr ganzes Herzblut der Musik widmen.“
(Katja Wolf, Dirigentin LJZO)

Das Zusammenwirken mit anderen im Orchester,  entfacht die eigene Leidenschaft nur noch mehr , bestätigt mir auch Marleen Lorenz. Ihre Gitarrenlehrerin nahm sie eines Tages einfach mit zum LJZO und blieb bis heute. Gitarre spielt Marleen seit sie drei Jahre alt war. Damals zwar “nur“ Lieder wie „Alle meine Entchen“, aber  ihr junges Alter zeigte schon damals, dass viel Leidenschaft dahintersteckt.

Dass es anfangs einige Anlaufschwierigkeiten gab, gesteht Marleen mir ohne große Umschweife. Verständlich, wenn man als “die Neue“ in eine bestehende Gruppe tritt und sich an bislang unbekannte Stücke herantrauen muss. Doch die vermeintlich bekannten “ständigen Reibereien“ zwischen den einzelnen Instrumentengruppen bleiben glücklicherweise weiterhin ein Klischee. Viele vergleichen das Orchester mit einer großen Familie, die einem sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten stets zur Seite steht. Denn jeder kennt eine Situation, in der einem einfach nichts gelingen will. In einem Orchester bist du jedoch nicht allein, vor allem nicht im LJZO! Schließlich zählt das Gesamtergebnis. Du kannst diesen Takt nicht im gewünschten Tempo spielen? Kein Problem! Dir wird unter die Arme gegriffen, bis du es kannst, es ist Teamwork. Und wer hat nicht gern ein starkes Team an seiner Seite?

Wenn man sich der Musik verschrieben hat, möchte man jede freie Minute damit verbringen. Viele der LJZO-Mitglieder gehen nebenher zur Schule oder studieren, haben Einzelunterricht oder noch weitere Orchesterproben und dennoch finden alle Zeit, die anspruchsvollen Stücke des Landesjugendzupforchesters Sachsen zu üben. Denn für sie ist es genau die Zeit am Tag, in der sie sich entspannen können, wie mir Marleen verrät. Für Musiker ist das Üben weniger eine lästige Pflicht, wie Außenstehende meist vermuten. Vielmehr ist es ihre Chance, sich zu verbessern und voran zu kommen, genau wie im Leben.

Und genau wie im Leben, lernen Orchestermitglieder viel voneinander: Auf sich und das eigene Instrument zu hören, genau auf die anderen Acht zu geben, sich Fehler einzugestehen, diese Erfahrungen hätte die Schülerin ohne ihren Beitritt in das Landesjugendzupforchester nicht gehabt.

Ein Sprungbrett für die Zukunft, ein Ort des Austausches und eine unvergessliche Zeit, das alles bringt es mit sich, wenn man auch mal in den Orchestergraben schaut.

Wie Marleen zum LJZO kam und was sie für Zukunftspläne hat, erfahrt ihr  hier im Interview:

 

Text und Interview: Christina Pätzold

Fotos: Landesjugendzupforchester Sachsen