Von Logik zu Dystopie – Die Dresden Frankfurt Dance Company in Hellerau

„Workwithinwork // High Breed“ im Festspielhaushaus HELLERAU – zwei Inszenierungen der Dresden Frankfurt Dance Company an einem Abend, ein auffallender Kontrast

Präzise ausgeführte Bewegungen. Der Körper bis zum Äußersten gespannt, weiter lässt er sich nicht dehnen. Aber es geht doch.
Die Dresden Frankfurt Dance Company (DFDC) ist erneut auf der Bühne HELLERAUs zu sehen – so hat das Publikum des Festspielhauses die Company in Residence noch nie erlebt.
Mit „Workwithinwork“ zeigt die DFDC unter der Leitung von Jacopo Godani eine Forsythe-Choreographie, die nicht so ganz mit der Atmosphäre des Festspielhauses verschmelzen will. „Workwithinwork“ gestaltet sich zu klassisch, nicht kurios oder aufrüttelnd genug für ein Haus, das den Anspruch erhebt, ein Labor der Moderne zu sein. Das Stück ist geprägt durch eine gewollt minimalistische Atmosphäre: keine Lichteffekte, eine musikalische Begleitung durch zwei Geigen und schlichten scheinbar farblich willkürlichen Kostümen.

Oft bewegen sich die TänzerInnen in Zweier- oder Dreiergrüppchen auf der kargen Bühne, entlocken dem Zuschauer kaum starke Emotionen.  „Workwithinwork“ spielt nicht mit den Sehgewohnheiten der Zuschauer, wie HELLERAU es sonst gerne tut, bricht etablierte Bewegungsmuster nicht auf, fordert nicht, schockiert nicht, provoziert nicht. Alles in allem eine sehr eintönige, seichte Inszenierung, bei der der Tanz zwar stark im Vordergrund steht, neben eindruckvollen Bewegungen und imposanten Duetten jedoch kaum etwas in Erinnerung bleibt.

Nach der Pause: mehr Show, mehr Licht, mehr Musik. Tänzer, die wie aus dem Nichts aus dem Schwarz der unbeleuchteten Bühne auftauchen und wieder darin verschwinden. Die Stimmung wird düsterer. In dieser Choreografie des künstlerischen Leiters Jacopo Godani wird die ganze Bühne von seinen TänzerInnen in Beschlag genommen. Hier ist alles schrill, bizarr und ungemütlich. Das Stück vermittelt dem Zuschauer eine Zukunftsvision, die alles nur nicht angenehm ist. Die Musik von 48nord ist verstörend, wirkt verzerrt und erinnert mehr an einen Computervirus als an Tanzmusik. Die Stimmen der TänzerInnen werden nun auch zum gestalterischen Mittel und unterstreichen durch akustische Signale und lautes Mitzählen die Atmosphäre.
Wie Abkömmlinge einer außerirdischen Rasse nehmen die TänzerInnen der Company den Bühnenraum in Anspruch – nebeneinander und übereinander. Die Körper in den rötlichen Anzügen wirken wie die Glieder eines fremden Wesens. Die Company gibt alles – die Bewegungen sind nun größer, werden mit mehr Nachdruck ausgeführt und kreieren so eine abstrakte intensive Welt, die den Zuschauer sofort in ihren Bann zieht.

In Kombination wirken die Stücke fast schon wie ein Arbeitsprozess. „Workwithinwork“ ist der Vorgänger, wie auch Forsythe der Vorgänger von Godani ist, während „High Breed“ die neue Identität der Company zu verkörpern scheint.

Insgesamt eine gelungene Doppelvorstellung, die sich den Höhepunkt für den Schluss aufhebt, aber davor schon überzeugt.

Ein Artikel von:

Paul und Titus Thiele, Leah Strobel, Elli Kneisel, Gina Kauffeldt, Barbara Staudenmaier und Meike Krauß

Enstanden im Rahmen des Medienworkshops „Kulturgeflüster“ im Festspielhaus HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden 6.10.-8.10.2017

Fotos: Paolo Porto und Gregory Batardon