Ein Heimspiel- Ansa Sauermann in der Scheune

Man muss schon sagen, dass er sich ganz schön Zeit gelassen hat, um auf die Bühne zu kommen. Aber es gab ja eine Bar und David Jonathan, der als Support die Band unterstützt hat. Alles in allem ist die Scheune auch mehr für die kleinen, gemütlichen und familiären Konzerte gedacht, denn nur circa 150 Menschen eskalierten dann gegen 22 Uhr völlig, als endlich Ansa und seine fantastische Band die Bühne betraten und mit „Der Teufel lebt“ begonnen haben.

Gleich beim ersten Lied fällt mir auf, dass ich die Vibration vom Bass durch mein Hosenbein hindurch spüren kann. Man muss auch dazu sagen, dass Ansa live wirklich genauso gut ist, wie in seinem neuen Album „Weiße Liebe“. Ich kann mir vorstellen, dass Ansa nach jedem Konzert erst mal heiser ist, sowie er sich die Seele aus dem Leib gesungen hat. Die Eskalation, als sie die Bühne betreten haben, war jedoch gar nichts gegen das, was dann abging, als sie „Reise“ zum 1. Mal gespielt haben. Alle haben zumindest beim Refrain mitgesungen. Mir persönlich gefällt ja „Reise“ auch am besten, wegen dem schnellen Rhythmus und der schönen Melodie. Passend dazu ist dann wenig später auch der Titel des Liedes Programm. Mit seinem Lied „Tanzt“  bringt er alle zum Tanzen. Dabei wurde es in der ganzen Halle ganz schön warm. Selbstverständlich haben auch alle bei meinem derzeitigen Dauerohrwurm „Geist“ mitgesungen. Der bleibt einfach im Kopf. Man muss vielleicht noch dazu sagen, dass während des eineinhalb stündigen Konzerts die Bühne in verschiedenen Farben beleuchtet wurde: Bei dem Lied „Weiße Liebe“ war beispielsweise die Bühne blau bestrahlt und bei dem Song „Julia“ rot.

Aber Ansa stellte nicht nur Lieder aus seinem neuen Album vor, sondern auch noch ein altes Lied: „Foto“. Dabei schwelgte natürlich dann das gesamte Publikum in Erinnerung und sang ganz versonnen mit. Manche Lieder waren mir unbekannt. Wie zum Beispiel „So weit“, was ich gestern zum ersten Mal gehört habe, obwohl die Single schon im Juli veröffentlicht wurde und das Lied auch auf dem Album „Weiße Liebe“ zu finden ist. Ich habe mich direkt in das Lied verliebt.  Am besten jedoch war, als die Band zum letzten Mal für ihre Dresdner Fans gespielt hat. Dabei haben sie wirklich nochmal alles bei ihrem Lied „Reise“ gegeben. Die Reaktion des Publikums darauf war natürlich berauschend.

Ihr werdet euch jetzt sicher vielleicht schon gefragt haben, was mich bewogen hat, auf Ansas Konzert zu gehen. Ganz einfach: Selbst in etwas rockigeren und fröhlicheren Liedern verpackt eine super tiefe Botschaft, über die man teilweise ganz schön nachdenken muss. Natürlich kommt das dann gerade erst bei seinen etwas ruhigeren Liedern am besten rüber. Diese Botschaften, die er in seinen Songs verpackt, betreffen meines Erachtens alle Altersgruppen und die Lieder auf seiner neuen CD können auch der passende Soundtrack für jede Lebenslage sein. Ansa bringt die Gefühle einfach super rüber. Mit seiner wirklich rauchigen Stimme, finde ich, macht er dann dieses Paket komplett. Es passt einfach alles zusammen. Und das schönste ist, er ist gebürtiger Dresdner, weswegen er sich natürlich in diesen Gefilden zu Hause fühlt, was man ihm Samstagabend auch wirklich angemerkt hat. Ein gelungenes Heimspiel für Ansa und seine Band und ein unvergesslicher Abend für das Publikum.

Ansa Sauermann ist noch bis Dezember auf Deutschlandtour. Hier erfahrt ihr wo ihr ihn noch sehen könnt.

Text und Fotos: Klara Grassl

Marcus Miller bei den Jazztagen ‘17 im Erlwein Capitol

Die Jazztage rufen und auch einer Amerikas dienstältester E-Bassisten durfte am vergangenen Dienstag nicht fehlen: Marcus Miller.

Miller ist momentan auf Europa-Tour und ließ es sich dabei nicht nehmen, in Sachsens Landeshauptstadt Halt zu machen.

Der Abend begann mit Power vom 2001er Album .Entgegen des Namens war die Performance aber nicht wirklich energetisch. Einerseits waren die Instrumente schlecht gemixt, sodass ausgerechnet der Bass in den Boxen kratzte und andererseits wirkte die Band nicht wirklich warmgespielt.

Der sonst so zeitlos agile Miller schien am Bass und Mikrofon eher verhalten, was sich auch während der folgenden Stücke Highlife und B’s River nicht änderte.Erst nach Trip Trap platzte der Knoten: Der wuchtige Trip-Hop-Beat schien den Musikern die Verkrampftheit endlich auszutreiben. Die Ansagen am Mikro gingen nun auch über ein “Hello” und “The next song is … ” hinaus.

Was folgte, war ein souverän gegroovter Abend. Die Setlist setzte sich hauptsächlich aus Stücken der letzten beiden Alben Afrodeezia oder Renaissance zusammen. Bei diesen malträtierte Miller sein Instrument auf die verschiedensten Arten und Weisen –  unterstützt und begleitet von seiner Band. Trotz der Dominanz des Basses legte Miller Wert auf einen ausgeglichenen Sound und versuchte auch dem Rest der Band den Spielraum zu gewährleisten, der für eine gute Performance von Nöten war.

Denn im Gegensatz zu Victor Wooten ist Miller ein echter Teamplayer – auf der Bühne wie im Studio. Im Rahmen der Renaissance-Tour hatte Miller bereits erwähnt, dass er wieder Musik für eine gesamte Band schreiben wolle. Und diesen vollumfänglichen Blick kann man den neueren Miller-Kompositionen auch anhören. Natürlich drängt in diesen der Bass immer noch nach vorn und hat ausladende Soli, aber die anderen Instrumente sind nun gleichberechtigte Partner und nicht bloßes Beiwerk.

 

Es ist diese Homogenität im Sound, die einen Marcus-Miller-Abend immer wieder zum Vergnügen macht: Man sieht nicht nur einen der weltweit besten Jazzbassisten, sondern zugleich eine verdammt gute Band.

Ein Artikel von Robert Sittner

Fotos: Robert Sittner

Das Überraschungskonzert im Boulevardtheater – THE NEW MIXTAPE – Premiere

Der Kalender zeigte den 24.Oktober 2017! Das heißt, Tag der Premiere von ,,The new Mixtape“ im Boulevardtheater Dresden. Keiner wusste was beim Überraschungkonzert passieren wird.

Die Bühne wurde rot bestrahlt und hunderte Zuschauer warteten auf den Beginn. Als kurz nach 19:30 Uhr Philipp Richter die Bühne betrat, begann eine Mischung aus Konzert und Unterhaltungsshow! Ein Moderator (Philipp Richter), sechs Künstler und die Band Funkybeats standen nun vor der Aufgabe das Publikum zu unterhalten.

Philipp Richter sorgte schon ganz am Anfang für einen hohen Unterhaltungswert, dadurch dass er das Publikum aufforderte mitzusingen. Danach folgten die 6 Künstler, sie performten jeweils ein Lied, welches für sie eine besondere Geschichte mitbringt. Stefanie Bock, war die erste. Sie sang Geile Zeit von Juli. Danach stellte sie sich kurz vor und Philipp Richter stellte kurze Fragen. Es folgten Volker Zack, Manuel Krstanovic, Volkmar Leif Gilbert, Katharina Eirich und Andreas Köhler. Die allesamt ebenfalls ein Lied präsentierten und sich dann auf ein braunes Ledersofa setzen.

Kurz vor der Pause gab es einen Höhepunkt, als Andreas Köhler sich knall pinke High- Heels anzog ,dazu tanzte und sang, als wären es seine Lieblingsschuhe. Nach der Pause folgten weitere Hits. Unter anderem sang Manuel Krstanovic Let it go aus Disneys Eiskönigin und Volker Zack Ist das Liebe von Inka Bause. Am Ende gab es nochmal 2 richtige Powerhits, mit Dance with somebody (von Andreas Köhler) und Thank you for the music ( von Volker Zack), bei denen es dann auch die letzten Zuschauer von den Stühlen riss.

Insgesamt wurden 22 Lieder performt und jede Menge getanzt und gelacht. Wer sich jetzt vielleicht denkt wer der Regisseur ist, wird nicht so schnell darauf kommen, dass es gar keinen gibt. Das Ensemble vom Boulevardtheater kam selbst auf so eine Idee.

Eine unglaubliche Stimmung

Durch die Mischung aus Talkshow und Konzert entstand eine lustige und entspannte Atmosphäre. Die Künstler harmonierten gut zusammen, hatten auch sichtlich ihren Spaß, so dass nie schlechte Stimmung herrschte. Was auch zu der guten Stimmung beitrug, war das die Künstler die Zuschauer einbezogen haben und animiert haben zu tanzen, klatschen oder mit zu singen. Durch den Moderator entstand Abwechslung und die Zuschauer bekamen einen guten Überblick über das Geschehen.

Alle Künstler, sowie die Band sind keine Unbekannten im Boulevardtheater Dresden, so dass man über manch einen staunte und auch andere, persönliche Eindrücke bekam, die man nicht kennt wenn ein Künstler in einer festen Rolle steckt.

Der Spannungsfaktor wurde durch persönliche Anekdoten der Darsteller hochgehalten und auch der Spaßfaktor befand sich auf einem angemessenen Level, nicht zu viel und nicht zu wenig denn es war ja schließlich keine Komödie.

Das Bühnenbild verbirgt Überraschungen

Am Anfang sah man nur eine Band bestehend aus einem Schlagzeuger, einem Keyboarder und zwei Gitarristen. Ein altes braunes Sofa und ein brauner Ledersessel, ein paar Hocker und ein kleiner Tisch mit Mikrofonen.

Dank des Moderators fiel einem dann ein alter brauner Koffer auf, mit vielen kleinen Utensilien die im späterem Verlauf, den Künstlern bei der Performance halfen (z.B.die Pinken High- Heels oder eine Platte von Inka Bause).

Die Darsteller bei einer „Talkrunde“

Als dann die ersten Künstler auf dem Sofa Platz nahmen , wollten sie nach ihren Auftritten etwas trinken. Der Moderator holte darauf hin aus einem kleinen Kühlschrank hinter dem Sofa gekühlte Getränke. Dieser Kühlschrank wurde oft benutzt und wirkte für uns als Publikum als festes Mittel um den Spaßfaktor hochzuhalten.

Was bleibt ist ein unvergesslicher Abend

Am Ende bleibt einfach ein WOW- Moment. Kritikpunkte gibt es keine, außer dass die Zeit nicht eingehalten wurden ist ;), es dauerte 180 Minuten anstatt 110 Minuten, aber das nimmt man wohl keinem übel! Für manche war der Abend sogar zu kurz! In allen Faktoren, egal ob Spaß oder Spannung, lag das Level über den Erwartungsfaktor!

Sogar einen romantischen Punkt gab es, als Andreas Köhler seinen ersten Song präsentierte. Mit Piu bella cosa gab er nicht nur einen ersten Hit aus dem kommenden Theaterstück Azzurro im Boulevardtheater Dresden zuhören, sondern küsste auch Katharina Eirich mit einer Rose in der Hand.

Eins steht fest, in dieser Konstellation und Hitkombination wird es The new Mixtape nicht nochmal geben. Aber der nächste Termin steht schon. Am 13. März 2018 können andere Schauspieler aus dem Theater ihre Lieblingssongs und die damit verbundenen Geschichten präsentieren.

Wir empfehlen das Konzert definitiv weiter! Egal ob du 15 bist oder 60 Jahre alt bist, für jeden ist etwas dabei. Der Spaßfaktor, Spannungsfaktor und die Musik sind grandios.

Das nächste Mal steht The New Mixtape am 13.03.2018 auf dem Spielplan.

Die Band und Künstler bei Philipp Richters Auftritt

Text und Fotos: Lisanne Richter und Melina Israel

Anarchie und Alkohol – Die Kassierer im Beatpol

 

„Sex mit dem Sozialarbeiter“, „Blumenkohl am Pillemann“ oder „Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche.“ diese Songs haben Generationen von jungen Menschen geprägt. Egal ob im hippen Circus Halli Galli Studio oder in kleinen bayrischen Dörfern, wer diese Band nicht kennt, hat nie nachts um drei Faxe Dosenbier an der Tankstelle gekauft:

 

Deutschlands größte Schwanzpunkband, die Legenden aus Wattenscheid, die einzigen, die unglaublichen, die mächtigen Kassierer.

 

Am vergangen Samstag hatten alle, die bisher nicht die Ehre hatten dieses Unikat des Ruhrpotts zu sehen endlich die Chance

 

Doch egal ob treuer Fans oder Ersthörer, alle mussten sich gedulden. Denn die Dresdner Band Al gore hatte die schwierige und undankbare Aufgabe, als Vorband, den Anheizer für die Ruhrpottpunker zu geben.

 

Erfahrene Personaler würden den vier Dresdnern dabei eine sichtliche Bemühung bescheinigen. Auch wenn Gitarrist Locke und Sänger Inge Kotmischer wirklich alles gaben, um die Show am Laufen zu halten, so konnte dies nicht über die erheblichen Defizite der Band hinwegtäuschen.

Man darf bei einer Punkband vielleicht keine zu hohen musikalischen Ansprüche stellen, doch Al Gore schafft auch diese zu unterschreiten. Ein Gitarrenspiel, das man einfach nur als stumpf bezeichnen kann, kombiniert mit Drums von der Platte, dem ungroovigsten Bass seit der Erfindung dieses Instruments und einem einfach absolut unverständlichen Gesang schafften einen Klangwust, der Nichtmal Abiballabschlusskonzertniveau erreicht.

Die Ansagen ließen zwar erahnen, dass Lieder wie „Legoland ist abgebrannt“ bestimmt ein humorige Note haben, hören konnte man es definitiv nicht.

Gegen 22:00 war das Elend endlich zu Ende und das Publikum bekam das, wofür es eigentlich da war.

Mit Wagners Ritt der Walküren betraten die Musiker die Bühne. Sänger Wolfgang Wendland ging am Stock, laut Eigenaussage war er erst vor ein paar Tagen besoffen die Treppe runtergefallen und leide noch an den Verletzungen des Sturzes. Doch körperliche Leiden konnten ihn nicht stoppen. Im Nu war Wölfi oben ohne, hatte das erste Bier in der Rechten und grölte die erste Strophe von „Besoffen“ ins Mikro und mit ihm der gesamte Saal. Es folgte ein Abend voller Klassiker: Sex mit dem Sozialarbeiter, Arsch abwischen, kein Geld für Bier. Neu Songs wie, Ich fick dich durch die ganze Wohnung, waren dagegen eher Mangelware und das aus gutem Grund. Die Kassierer, wie alle alternden Rock- oder Punkbands, leiden an der Zeit, aber nicht körperlich. Wendland und Konsorten würden wahrscheinlich noch mit Beipass und Tropf auf der Bühne stehen, es sind die neuen Songs. Egal wie viel Pissen, Ficken und Fotzen man in sie packt, sie können einfach nicht mit der Energie und Asozialität der alten Saufhymnen mithalten.

Ein zeitloser Genuss war die Band an diesem Abend trotzdem, auch abseits der Musik. Die vier Altpunker bestechen mit einer astreinen Bühnenperformance und beeindrucken mit einer, für Punkbands, außerordentlichen Instrumentalvirtuosität, Sänger Wolfgang Wendland mal ausgenommen. Dafür leitete dieser mit einem Charme durch den Abend, den man sonst nur von englischen Gentlemen kennt. Immer bereit für zynische Gesellschaftskritik oder Wahlwerbung für DIE PARTEI. Doch das Niveau sollte sich nicht zu sehr erheben, dafür sorgte der Rest der Band. Was mit unterdimensional schlechter Standup-comedy von Bassist Mitch Maestro begann, endete mit dem Kopf von Schlagzeuger Volker Kampfgarten im Anus des Gitarristen Nikolaj Sonnenscheiße.

Die Kassierer in Dresden, kein Abend der Hochkultur, kein Abend der Liebe, aber dafür mit vielen Momenten, die man nie vergessen wird, egal ob man will oder nicht.

Text: Robert Sittner

Kulturgeflüster kuratiert im September

Jeden Monat stellen wir euch unsere Highlights in der Kulturlandschaft Dresden vor. Dieses Video ist auf dem Redaktionstreffen im Alaunpark entstanden.

Klick dich durch zu unseren Kultur Tipps

2. September: Floor on fire in Hellerau

6. September: Lesung Firas Alshater im Kulturpalast

8. und 9. September: Festival in a row im Festspielhaus Hellerau

9. September Power Flower und Radiophon im Sachsenkeller Meissen

Homepage von Power Flower 

Radiophon

10. September: Balkan Beats – Musik aus Osteuropa in der Martin Luther Kirche

21. – 24. September: Theaterfestival Wildwechsel im theater junge generation 

27. September: Voodoo Jürgen im Beatpol

29. September: Chuckamuck im Ostpol

 

 

LJZO – Ein Leben im Orchestergraben?

Orchester – spielen nur Klassik, sind langweilig, brauchen keine Proben, haben Reibereien zwischen den einzelnen Instrumenten, Orchester sitzen immer im Graben vor der Bühne

 Fakten oder nur Klischees? Dieser Frage gehe ich am Beispiel des Landesjugendzupforchesters Sachsen (LJZO)  auf den Grund.  Aber Orchester sind ja bekanntlich alle gleich, oder? Ein “normales“ Orchester besteht aber nicht nur aus Zupfinstrumenten, wie Gitarre, Mandoline, und Bass.

1993 gründete Erhard Fietz ein solches Jugendorchester und gab somit unserer jüngeren Generation eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten, sich auszutauschen und Neues zu erlernen. Trotz der geringen Anzahl von nur drei Probenphasen jährlich, hält sich das Niveau stets hoch, und es besteht keine Frage, dass hier die Besten der Besten spielen! Seit Herbst 2015 leitet Katja Wolf, selbst Gitarristin und Dozentin, das LJZO Sachsen mit dem Ziel, die Musiker weiterhin zu Höchstleistungen zu motivieren.

Einige stellen sich bestimmt die Frage: Was soll ich mir denn da anhören? Die spielen doch sowieso nur Klassik. Von wegen! Stücke wie „Fluch der Karibik“ oder Themen aus „Der Zauberer von Oz“, denen ich selbst bei einem Konzert mit voller Begeisterung gelauscht habe, waren bereits Teil des Programmes. Und auch Eigenkompositionen wie „Fahrrad fahren“ von Franziska Henke sind im LJZO Sachsen gern gesehen. Somit ist ein Orchesterbesuch nicht immer langweilig und einseitig und jeder Zuhörer kommt bei einem solchen Auftritt gewiss auf seine Kosten.

„Jede Stimme bildet eine Einheit – und doch kann keine ohne die anderen. Es ist ein „liebender Kampf“ um Melodien, Themen, Klänge, welcher doch nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen und ihr ganzes Herzblut der Musik widmen.“
(Katja Wolf, Dirigentin LJZO)

Das Zusammenwirken mit anderen im Orchester,  entfacht die eigene Leidenschaft nur noch mehr , bestätigt mir auch Marleen Lorenz. Ihre Gitarrenlehrerin nahm sie eines Tages einfach mit zum LJZO und blieb bis heute. Gitarre spielt Marleen seit sie drei Jahre alt war. Damals zwar “nur“ Lieder wie „Alle meine Entchen“, aber  ihr junges Alter zeigte schon damals, dass viel Leidenschaft dahintersteckt.

Dass es anfangs einige Anlaufschwierigkeiten gab, gesteht Marleen mir ohne große Umschweife. Verständlich, wenn man als “die Neue“ in eine bestehende Gruppe tritt und sich an bislang unbekannte Stücke herantrauen muss. Doch die vermeintlich bekannten “ständigen Reibereien“ zwischen den einzelnen Instrumentengruppen bleiben glücklicherweise weiterhin ein Klischee. Viele vergleichen das Orchester mit einer großen Familie, die einem sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten stets zur Seite steht. Denn jeder kennt eine Situation, in der einem einfach nichts gelingen will. In einem Orchester bist du jedoch nicht allein, vor allem nicht im LJZO! Schließlich zählt das Gesamtergebnis. Du kannst diesen Takt nicht im gewünschten Tempo spielen? Kein Problem! Dir wird unter die Arme gegriffen, bis du es kannst, es ist Teamwork. Und wer hat nicht gern ein starkes Team an seiner Seite?

Wenn man sich der Musik verschrieben hat, möchte man jede freie Minute damit verbringen. Viele der LJZO-Mitglieder gehen nebenher zur Schule oder studieren, haben Einzelunterricht oder noch weitere Orchesterproben und dennoch finden alle Zeit, die anspruchsvollen Stücke des Landesjugendzupforchesters Sachsen zu üben. Denn für sie ist es genau die Zeit am Tag, in der sie sich entspannen können, wie mir Marleen verrät. Für Musiker ist das Üben weniger eine lästige Pflicht, wie Außenstehende meist vermuten. Vielmehr ist es ihre Chance, sich zu verbessern und voran zu kommen, genau wie im Leben.

Und genau wie im Leben, lernen Orchestermitglieder viel voneinander: Auf sich und das eigene Instrument zu hören, genau auf die anderen Acht zu geben, sich Fehler einzugestehen, diese Erfahrungen hätte die Schülerin ohne ihren Beitritt in das Landesjugendzupforchester nicht gehabt.

Ein Sprungbrett für die Zukunft, ein Ort des Austausches und eine unvergessliche Zeit, das alles bringt es mit sich, wenn man auch mal in den Orchestergraben schaut.

Wie Marleen zum LJZO kam und was sie für Zukunftspläne hat, erfahrt ihr  hier im Interview:

 

Text und Interview: Christina Pätzold

Fotos: Landesjugendzupforchester Sachsen

Anna Mateur and the Beuys bei den Filmnächten am Elbufer

Kurz nach halb Sechs radelt Anna Mateur schwungvoll bis zur Bühne und schleppt plappernd das Fahrrad hinter den weißen Flügel, an dem bereits ihre Begleitung, der Pianist Andreas Gundlach sitzt und spielt. Selbstbewusst, tollpatschig und doch irgendwie liebenswert findet sich die Figur des Abends erst einmal auf der Bühne zurecht und wird warm mit den Zuschauern. Dank bauchfreier Bluse und grüner Schürze gelingt der Dirndl-look und es kann beginnen. „Geheimnisvoll, aber sexy“ haucht Anna das Motto des Abends ins Mikro und beginnt sofort mit dem ersten Lied. Mit sehr viel Energie, Humor und Gelächter reißt die  gebürtige Dresdnerin die Zuschauer in ihren Bann. Von nichts lässt sie sich aus der Ruhe bringen. Das Gebimmel der Hofkirche und das regelmäßige Geräusch der vorbeifahrenden Bahnen auf der Carolabrücke wird einfach in die Performance mit eingebaut.

Späße werden auf Kosten aller gemacht: der Ordnungswahn der Deutschen, die Angst der Dresdner vor dem Fremden, Wessis, die denken Veronika Fischer mache Schlager und Blockflötenspielern. Ordnung das sei C-Dur, Heimat, Halleluja…Chaos, das sei Jazz. Dieses Wechselspiel von Chaos und Ordnung zieht sich durch den Abend, mal singen die beiden in perfekten Harmonien, dann wieder schnauft und jauchzt Anna in das Mikro, schlägt schiefe Töne an und erzeugt Dissonanzen.

Das Repertoire reicht von einem neckischen Lied über das Fremde im Erzgebirge, hin zu deutschem Hiphop samt köstlicher Tanzeinlage, weiter zu Covern von Manfred Krug und Veronika Fischer, gekrönt von dem Hits-Medley mit den Songs „Eye of the tiger“, „We are the champions“, „Simply the best“ und der Starwars-Titelmelodie.

Dass man in jedes noch so banale Lied geheime, politische Botschaften spicken kann, wird anhand des Kinderliedes „so geht es im Schnützelputzhäusel“ gezeigt, welches mutig und sehr unterhaltsam von einer Zuschauerin vorgesungen wird.

Auch Andreas Gundlach zeigt, dass er auch ohne Anna einiges drauf hat, indem er während dem Klavierspielen jongliert und einen Zauberwürfel löst oder aber auch weiter spielt, während Anna um und auf ihm tanzt.

Die eineinhalb Stunden Programm sind viel zu schnell vorbei, die Stimmung im Publikum ausgelassen und fröhlich und es bedankt sich mit Standing Ovations.

Text und Fotos: Barbara Staudenmaier

Fil Bo Riva – A mad man in the Groove

ON THE 23th APRIL 2017 , A SUNDAY EVENING OR RATHER A SUNDAY NIGHT, WE SAW A MAN BEHIND SHADOWS AND A GIRL WITH A STRONG VOICE: FIL BO RIVA WITH LISA MITCHELL AT THE GROOVESTATION

Behind the Band

The Grooves‘ Station

For the newcomers in the city of Dresden or for those who are not very active once the sun goes down, Fil Bo Riva’s concert was the perfect opportunity to discover the famous GrooveStation. From an almost empty bar around 8 o’clock – understandable as the days are getting longer and people less inclined to show up on time – it turned into a jam-packed, colourful nightclub by the time the singer appeared on stage. And he eventually appeared. In the meantime the growing audience could enjoy the soft but confident voice of Lisa Mitchell, the sadness, happiness and honesty of her songs, which allowed us to enter the privacy of her world. Alone on stage, guitar in the hands, she sang a few of her love stories, a mix of folk and indie pop, and a slight British touch. The lyrics are often very simple, sometimes even resembling lullabies, but the charm of her voice and the sincerity of her words appealed to us. The soothing and flowing atmosphere lingered on for a while after Mitchell left the stage, a good time to get one more drink and chat a little. Too bad it took so long for Fil Bo Riva’s concert to start. Full glasses in the hands, cigarettes smoked, the audience was starting to lose patience. It did not stop the crowd to get bigger and bigger and at some point I even wondered if the walls just moved and the room expended as it looked so different from the empty bar I entered less than two hours before.

Lisa Mitchell

 The Appearance

And he appeared. Without even seeing him on stage, one understood that something was happening. Voices of obvious fans were getting louder, people started to wriggle, fog and smoke filled up the room and bright colours finally lit up the singer. With a laid-back attitude and a deep, raspy voice he immediately seduced his audience which started to dance and follow the beats of the drum and the sensuality of his voice. The 24-year-old ventured a few unintelligible jokes which only the fans facing him appeared to understand. He kept the excitement on the edge with abrupt song endings, mixing beats and dynamics with softer and melancholic rhythms.

Fil Bo Riva in groove

The jam-packed room did not allow much dancing so for those who wanted to relieve themselves of the week’s stress and unleash their passions on the dance floor, the concert was a perfect way to start the night and get ready to dive into the next clubbing atmosphere.

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SUMMARY

Groove station: Good for chilling and having a drink at the bar, as well as for smaller „one person on the stage“ concerts or sweaty audience and band connections but too small for Fil Bo Riva, I guess it would have been better for his poetic performance to have a little distance with the audience.

Fil Bo Riva: A talented young guy from Rome, Dublin and now Berlin. My expectations were not met, live not so „blow me away“ like in stereo, a little bit disappointing in that way.

Lisa Mitchell: A girl from Down Under, nice voice and honest lyrics, once a participant of the show Australian Idol (by the way), I want to see her again!


Text: Louise Demelas

Summary: Bianca Kloß

Fotos: Susann Schmidt

9. Sinfoniekonzert in der Semperoper

Vor 190 Jahren wurden die Palmsonntags-Konzerte eingeführt. Ursprünglich waren sie als Benefizkonzert gedacht, um Hinterbliebenen von verstorbenen Musikern finanziell unter die Arme zu greifen. Reinhard Goebel leitet diese Konzerte jetzt seit 5 Jahren in der Semperoper. Dieses Mal wurde von der Sächsischen Staatskapelle Dresden und von dem Dresdner Kammerchor das Oratorium „Holder Friede, heilger Glaube“ und „Dettinger Te Deum“ aufgeführt. Vorher gab es vom Dirigenten eine ziemlich interessante Einführung zu den Stücken und Komponisten. 

Georg Philipp Telemann

„Holder Friede, heil`ger Glaube“ ist ein Oratorium zum Andenken an den 200 jährigen Religionsfrieden und wurde von Telemann geschrieben. Dieses Jahr wurde es anlässlich seines 250. Todestages aufgeführt. Telemann hat über 3000 Musikstücke geschrieben, darunter 1600 Kantaten. Wenn man die Noten zählt, um so den Anspruch der Stücke mit denen von Johann Sebastian Bach zu vergleichen, wären es nur 208 Kantaten. Telemann schrieb viele Übungsstücke für Anfänger und für normale Bürger, um sie nach dem Krieg wieder an die Musik heran zu führen. Außerdem schrieb er Tafelmusiken, welche manchmal auch über 6 Stunden gehen konnten. So konnte man sich die Festmusik des Königshauses in die Bürgerliche Stube holen. Telemann schrieb auch Musik für Dresden, welche sehr virtuos war. Telemanns Werke sind unter den historischen Aspekten zu sehen und zu spielen, wegen musikalischer Besonderheiten würde man sie jetzt eher nicht aufführen.

Händel

Händel schrieb auch Staatsmusik. Die Instrumente und Musik symbolisieren den Krieg. Zum Beispiel Trompetenfanfaren als „Kommunikationsmittel aus der Handy-freien Vorzeit“. Er war musikalisch mit Bach verbunden und mit Telemann befreundet. Deshalb hat er auch Teile aus der Tafelmusik Telemanns verwendet, als er in einer Schaffenskrise steckte. In dem heutigen Werk werden die Arien vom Chor gesungen, da die Räumlichkeiten, in denen es damals gesungen wurde, für Solosänger zu groß gewesen wären. In den Chören wird ein winzig kleiner Textabschnitt immer wieder gesungen bis man meint, es müsse eigentlich jetzt gleich zu Ende sein – und dann dauert es aber noch sehr lang. Diese Stücke sollen die großen Engelschöre symbolisieren, welche sich singend vor Gott verbeugen.
Holder Friede, heil`ger Glaube

Den vier Solosängern wurden verschiedene Rollen zugeteilt. Die Religion wurde von Daniel Ochoa (Bariton) gesungen, der Friede von Sophie Karthäuser (Sopran), die Geschichte von Martin-Jan Nijhof (Bass) und Lothar Odinius (Tenor) sang die Andacht. Im kompletten Stück war die Begleitung eher ruhig und erhaben. Außerdem konnte man die Texte auch in der Musik hören. Wenn von Donner, Blitz und Gewalt gesungen wurde, wurde die Musik auch sehr aggressiv und man hat diese förmlich herausgehört. Der Abschluss war sehr pompös und es ging mit unglaublich viel Applaus in die Pause.

Dettinger Te Deum

Was mir als erstes auffiel, als die Musiker nach der Pause den Saal betraten, war, dass es mehr Trompeten gab als vorher. Die Musik war sehr pompös und erinnerte an einen Marsch. Der Chor sang englisch und ich war positiv von der guten Textverständlichkeit überrascht, was an der guten Aussprache des Chores lag. Beim Schlussstück haben die Solisten im Chorgesang mitgesungen und das ganze Orchester hat gespielt. Es war ein sehr würdiger und schöner Schluss des Abends.
Das Ende eines jeden Konzertabends bildet natürlich der Applaus der Zuhörer. Dieser ist auch dieses mal nicht gering ausgefallen. Es wurden noch einmal alle Solisten auf die Bühne geholt. Das Orchester und der Chor mussten oft aufstehen und sich verbeugen. Dann wurde auch noch Michael Käppler auf die Bühne geholt. Er hat das Abendprogramm mit dem Kammerchor einstudiert. Ich habe den ganzen Abend genossen und fand die Veranstaltung wunderschön.

Text: Johanna Rößler

Fotos:
Matthias Creutziger //Pressefotos Staatskapelle.
netzwerk projektziel// Pressefotos Kammerchor.
Die Fotos sind nicht vom Veranstaltungsabend.