Wenn der Hellerauer Tanzteppich in Flammen steht: „Floor on Fire – Battle of Styles“

Ballet, Contemporary, Voguing und Breakdance: Tänzer*innen dieser Tanzstile trafen am Samstag in Hellerau aufeinander um bei „Floor on Fire – Battle of Styles“ gemeinsam gegeneinander anzutreten. In insgesamt sieben Battles ging die Tanzfläche im Großen Saal des Festspielhauses zum wiederholten Mal in Flammen auf. Es wurde kombiniert, improvisiert, gejubelt, geklatscht, gestampft, Musik gespielt, aber vor allem mit aller Leidenschaft getanzt.

Es ist 17:30 Uhr, zehn Tage vor dem Ende des Jahres 2019, der Parkplatz des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau ist voll, vor und im Festspielhaus tummeln sich die Zuschauer. Hier treffen sich Alt und Jung, Tanzbegeisterte und jene, die sich zum ersten Mal eine solche Veranstaltung anschauen, alle hatten sie das Glück, schnell genug eine Karte für die Veranstaltung bekommen zu haben. 20 Minuten später öffnen sich endlich die Türen des Großen Saals und die Leute verteilen sich auf die zwei Tribünen, links und rechts der Tanzfläche. Neben dem Tanzteppich, der an den Ecken, in denen gleich die Teams ihre Positionen einnehmen werden, rot ist, steht DJ Kid Cut und bereitet sich auf den bevorstehenden Abend vor. Vorbereitung: eine Sache, die den Tänzer*innen bei Floor on Fire im Laufe des Abends fehlen wird…

18:00 Uhr ist es dann endlich soweit. Die beiden Moderatoren begrüßen das Publikum und stellen die vierköpfigen Teams der verschiedenen Tanzstile vor: Balletttänzer*innen der Staatsoperette, Vertreter*innen der zeitgenössischen Tanzszene in Dresden, die Contemporary tanzen, Voguing-Tänzer*innen des House of Saint Laurent (früher bekannt als House of Melody)  und Mitglieder der ostdeutschen Breakdance Crew „The Saxonz“. In vier kurzen Choreografien stellen sie ihre verschiedenen Tanzrichtungen vor und geben dem Publikum schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Abend.

Während sich die Tänzer*innen nun kurz wieder zurückziehen, erklären die beiden Moderatoren das Prinzip von Floor on Fire: Bei dem Format, welches 2015 von Hellerau und „The Saxonz“ ins Leben gerufen wurde, geht es darum, die Individualität und Vielfalt des Tanzes zu zeigen. Es werden Tänzer*innen ganz verschiedener Stile und Ästhetiken zusammengewürfelt, um zu Musik, die sie vorher nicht kennen, gemeinsam zu improvisieren und in Battles gegen die anderen Teams anzutreten. Über Gewinner und Verlierer entscheidet eine Jury, in der Kathrin Kondaurow (Intendantin der Staatsoperette), die European Mother Leo of House Saint Laurent, Helge-Björn Meyer, Leiter der Servicestelle FREIE SZENE, und ein Tänzer der Crew „Söhne des Kreises“ sitzen. Das fünfte Jurymitglied, ein zufällig ausgewählter Zuschauer, erfährt jetzt erst von seinem Glück, auf einem der roten Stühle sitzen zu dürfen, von denen aus im Laufe des Abends die Entscheidungen gefällt und verkündet werden sollen.

Dann starten auch schon die ersten Battles. Paare mit Tänzer*innen unterschiedlicher Stilrichtungen, die zwei Stunden vor der Aufführung wahrscheinlich zum ersten Mal gemeinsam getanzt haben, präsentieren ihr Können. Ein Tänzer sorgt mit Weihnachtspullover und- Mütze für eine weihnachtliche Atmosphäre und sogar für den einen oder anderen Lacher im Publikum. Wenn man sich die Tanz-Kombinationen so anschaut, hätte man am liebsten alle behalten und zum gemeinsamen Tanz auf den Tanzteppich gelassen, aber nach den dreirundigen Battles muss leider immer ein*e Tänzer*in die Bühne verlassen. Viermal entscheidet die Jury, welches Team gewinnt und sich eine*n der gegnerischen Tänzer*innen aussuchen darf, um im Halbfinale wieder anzutreten.

Nun ist sie auch schon um, die erste Stunde beim Battle of Styles. Den Zuschauer*innen wird die Gelegenheit gegeben, sich etwas zu essen oder zu trinken zu holen oder den Tanzteppich zu betreten, während backstage das Halbfinale Thema ist. Nach der Pause geht es allerdings noch nicht direkt weiter. Zuerst gibt es einen kleinen Wettbewerb, bei dem jede*r Zuschauer*in einmal über die Bühne laufen, tanzen oder springen darf und die Chance hat, einen Workshop bei Mother Leo of House Saint Laurent in der TENZA-Schmiede zu gewinnen. Die kleinste der mutigen Zuschauer*innen hat, dem Beifall nach zu urteilen, klar die Sympathie des Publikums gewonnen.

Im nun anstehenden Halbfinale tanzen immer drei Tänzer*innen zusammen, die sich als Sieger am Ende zwei weitere Tänzer*innen des anderen Teams aussuchen, die sie im Finale unterstützen dürfen. In den fünf Runden der zwei Battles sieht das Publikum ein weiteres Mal, wie vielfältig Tanz sein kann und wie gut sich die verschiedenen Stile kombinieren lassen. Leider gab es eine kleine Meinungsdifferenz zwischen dem einen Gewinnerteam und dem Publikum bei der Auswahl der Tänzer für das Finale. Denn entgegen den Wünschen der meisten Zuschauer*innen entschieden sich die Tänzer*innen gegen Alexei C. Bernard von der Staatsoperette, der sich daraufhin mit einem wunderbaren Stepptanzsolo verabschiedete.

Nachdem nun auch noch einmal die Jury in einem kleinen Interview zu Wort gekommen war, war es endlich Zeit für das große Finale des letzten Floor on Fire 2019. In 5 Runden setzten die 10 Tänzer ein letztes Mal den Tanzboden in Flammen und es kristallisierte sich endgültig das Gewinnerteam heraus.

Doch eigentlich gab es bei Floor on Fire – Battle of Styles am 21.12.2019 nur Gewinner. Natürlich lebt ein Wettbewerb von der gegenseitigen Konkurrenz, dem Übertrumpfen, dem „noch eins draufsetzen“, aber dieser hier zeigt besser als viele andere, dass es nicht um die Spaltung in Gewinner*innen und Verlierer*innen geht. Wenn das Publikum, die Tänzer*innen und alle anderen Anwesenden am letzten Samstag eins gelernt haben, dann, dass die Verschiedenheit und Individualität den Tanz – aber das lässt sich auch auf viele andere Dinge im Leben übertragen – zu etwas ganz besonderem macht, vor allem, wenn es darum geht, zu kombinieren und zu vereinen. Das ist aber nicht alles, was die Tänzer*innen mit auf den Weg gaben. Sie und DJ Kid Cut sorgten für eine hervorragende Stimmung, die dann auch in der Aftershowparty viele Zuschauer*innen auf dem Tanzteppich teilen konnten.

Nach dem Ende des Wettbewerbs blieb glücklicherweise noch die Zeit für ein kurzes Gespräch mit Alexei, dem Zuschauerliebling im Weihnachtspullover. Er stammt aus Sydney, hat dort im Alter von vier Jahren mit dem Stepptanz begonnen und übt diese Leidenschaft nun mit Perfektion aus. Inzwischen arbeitet der 26-jährige an der Staatsoperette in Dresden als Balletttänzer. Auf die Frage, wie es sich anfühle, Zuschauerliebling zu sein reagierte er äußerst erfreut, da er seinen Beruf aus Liebe zur Kunst des Tanzes gewählt hat, was man ihm auch anmerkt.

Das Format von Floor on Fire, die scheinbar kuriose Zusammenstellung verschiedener Tanzstile, ist nicht ohne Grund jedes Mal schon in weniger als 30 Minuten nach der Ticket-Freischaltung restlos ausverkauft. Das etwas andere Tanzbattle ist auf jeden Fall einen Besuch wert und vielleicht ja auch ein gutes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk, denn was ist schöner als gemeinsam und mit Spaß verbrachte Zeit?

 

Text: Ingrid Hering und Gabriel Muck

Bilder: Stephan Floss

 

 

„Du musst jetzt lernen die Ellenbogen auszufahren!“ – „Mit „echten“ Reden: Das Ellenbogen-Prinzip (1)“ von Tanja Krone in HELLERAU

Der Nancy-Spero-Saal erscheint in einem gemütlichen Licht, von einer Konstruktion an der Decke hängen lange, weiße Papierstreifen, hinter einem Pult steht eine Frau, greift in die Tasten und hält einen an die DDR gerichteten Monolog. Die Frau ist Tanja Krone und so beginnt am 30. Oktober ihre Inszenierung „Mit „echten“ Reden: Das Ellenbogen-Prinzip (1)“ im Festspielhaus Hellerau. Zusammen mit Frida Ponizil und Emma Rönnebeck, die nun aus ihren Verstecken hinter den Papierstreifen hervortreten, präsentiert sie den Zuschauern in diesem Stück die Ergebnisse aus 20 Gesprächen mit Familienmitgliedern, ehemaligen Lehrer*innen, Freunden und Freundinnen über die Wendezeit.

Zunächst stellen die Darstellerinnen sich selbst und ihre Rolle vor und nennen dabei Namen und Alter, als die Mauer fiel.

Nachdem Emma Rönnebeck und Frida Ponizil so tun als würden sie eine Tapete anbringen, fangen die Künstlerinnen an die Gespräche nachzusprechen. Dabei lesen sie die Texte nicht einfach vor, sondern schlüpfen in die Rollen der Zeitzeugen, sprechen und benehmen sich wie diese, was das Stück sehr lebhaft und unterhaltsam macht. Am Rand der Bühne steht eine Papierrolle, auf der man die jeweilige Gruppe der Erzählenden ablesen kann. Es gibt: Familie, Lehrer*innen, Jungs und Freundinnen. Zudem wird das Stück mit verschiedenen Musikstücken untermalt, die die Leute damals hörten oder selbst aufgenommen hatten.

Tanja Krone hat mit „Mit „echten“ Reden: Das Ellenbogen-Prinzip (1)“ ein Stück geschaffen, dass uns einen lustigen und informativen Einblick in die Wendewirren gibt. Es werden viele ernstere Themen angesprochen, die die Leute damals beschäftigten, aber vor allem der „normale“ Alltag in der Wendezeit, der DDR und der Umgang mit den Erinnerungen an diese Zeit kommen zum Ausdruck. Die Inszenierung ist genauso etwas für Zuschauer, die zu DDR-Zeiten aufgewachsen sind, als auch für jene, die diese Zeit nur aus Erzählungen kennen, denn sie vermittelt Wissen, regt auf diese Weise aber auch an, sich zu Erinnern. Ich denke, ich kann für viele Schüler*innen sprechen, wenn ich sage, dass man sich einmal eine Geschichtsstunde wünscht, die einen genauso lebhaften, informativen, anschaulichen und unterhaltsamen Einblick in frühere Zeiten gibt.

 

Text: Ingrid Hering

Bilder: Eva Lochner, Reinhard Krone

„Junge Choreograf*innen“ der Dresden Frankfurt Dance Company in HELLERAU

Einblicke in die Tänzerwelt und deren Choreografien

 

Stille und Schwärze im Großen Saal. Musik erklingt, ein Scheinwerfer beleuchtet für einen kurzen Moment eine Person. Danach wieder Schwärze.

So beginnt die Choreografie des jungen Choreografen Sam, welcher Tänzer in der Dresden Frankfurt Dance Company ist.

 

Das Programm ist anders. Es ist etwas Besonderes, vor allem für die Tänzer. Denn dieses Mal stammen die Choreografien, welche sie auf die Bühne bringen, nicht von dem Direktor der Company, Jacopo Godani, sondern von ihnen selbst.

5 der 18 Tänzer der Company können somit eine riesige Erfahrung machen und sich sowohl als Tänzer, als auch als Choreografen weiterentwickeln. Denn sie kümmern sich nicht „nur“ um die Entstehung der Choreografie, sondern auch um die perfekte Ausführung durch ihre Kollegen, sowie Musik, Licht, Kostüme, Make-up und tanzen teilweise sogar selbst in dem Stück.

Den Start des Programmes macht das Stück von Sam Young-Wright, welches von Anne Jung getanzt wird und den Namen „Carnegie Solo“ trägt. Es ist eine Erwiderung auf das Solo-Konzert des Pianisten Keith Jarrett. Die spontane Improvisation des Künstlers inspirierte Sam, verschiedene physische Zustände des Menschen zu untersuchen und dem Publikum so einen Einblick in seine Psyche zu verschaffen.

 

Danach folgt ein von Michael Ostenrath choreografierter Tanz. Er heißt „Haus“ und wird von fünf anderen Tänzern der Company ausgeführt. Micha schafft in diesem Stück die Zuordnung des Menschen in Kategorien, wie zum Beispiel die Geschlechtszugehörigkeit, ab und lässt eine völlige Freiheit existieren, ohne Meinungen und Urteile.

 

Die dritte Performance namens „Ectomorphs“ stammt von Vincenzo De Rosa, welches er als Duett mit Joel Small vorführt. Es untersucht die tiefsten Ebenen von Körper und Geist und wendet sich schon fast dem Tierischen zu.

Die Choreografen der beiden letzten Stücke habe ich interviewt:

 

Leo tanzt seit seinem 11. Lebensjahr an der staatlichen Ballettschule in Berlin. Seine Mutter hatte ein Tanzstudio und war Lehrerin. Somit ist er mit dem Tanz aufgewachsen. Eine richtige Leidenschaft entwickelte sich jedoch erst, als er 16 war. Denn seine Klasse wurde internationaler, seine Leistungen mussten steigen und er begann, die Tanzwelt zu verstehen und zu lieben. Nun tanzt er seit 4 Jahren in der Company von Godani.

 

Anne war, bis sie 17 Jahre alt wurde, im deutschen Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik. Während ihres BWL Studiums begann sie nebenbei im Ballettstudio zu trainieren. Eine Lehrerin ermunterte sie, mehr aus ihrem Talent zu machen. Die beiden trainierten täglich, so dass Anne die Aufnahmeprüfung an die Hochschule bestand. Im Januar 2017 wurde sie Mitglied der Company.

 

Die Dresden Frankfurt Dance Company setzt sich unter der Leitung von Jacopo Godani als Ziel, den zeitgenössischen Tanz voranzutreiben.

Das Training beginnt täglich 10:30 Uhr mit dem klassischen Ballett. Es ist wichtig für die Tänzer, diese Basis zu haben, um dann im zeitgenössischen Stil so viel wie möglich experimentieren zu können und dadurch tolle Choreografien entstehen zu lassen.

Von 12 bis 18 Uhr probt die Company ihre Vorstellungen in ihren Studios in Frankfurt. Es gibt 4 große Werke pro Jahr. Jedes wird in Frankfurt und Hellerau aufgeführt, wodurch Hellerau wie eine zweite Heimat für die Tänzer ist. Zwischendurch ist die Company auf Tournee. Die Tänzer waren zum Beispiel schon in Barcelona, Moskau und Belgrad.

 

Als ich die Tänzer fragte, was bisher ihr größtes Erfolgserlebnis war, erzählte mir Leo, dass er eine Weile gebraucht hat um die Idee Jacopos zu verstehen. Nach einem Jahr hat er sich dann richtig in der Company eingefunden und Jacopo begann, ihm sein Vertrauen zu schenken. Nun darf er Tänze im Namen seiner Company auf die Bühne bringen, was für ihn eine große Ehre ist.

Leos bzw. das Stück von David Leonidas Thiel nennt sich „Orbit“ und es sind 5 Tänzer integriert. Der Tanz basiert auf der mystischen Lehre von Zahlen, nämlich der Numerologie. Denn unser mathematisches Zahlensystem wurde nicht erfunden, sondern in der Natur gefunden. Die wichtigsten Zahlen sind 1 und 9. Vor allem im Kreis spielt die 9 eine große Rolle. Davon inspiriert entwickelte Leo die Bewegungen, die Aufstellungen und die Lichteffekte für seinen Tanz.

 

Für Anne Jung ist das größte Erfolgsgefühl der Applaus. Diesen bekam sie für ihr Stück

„threewithfour“ auf jeden Fall. Es ist ein Quartett, welches in zwei Duette unterteilt und vom Tango inspiriert ist. Anne geht es bei diesem Tanz vor allem darum, die Zweisamkeit eines Paares darzustellen und den Zuschauern einen Einblick in den Tanzsaal zu verschaffen. Die beiden Paare durchleben verschiedene Gefühlssituationen einer Beziehung und tanzen sehr intim.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Premiere des Werkes „Junge Choreograf*innen“ eine sehr gelungene Aufführung war und definitiv weiterzuempfehlen ist. Die Tänzer, die Kostüme, Musik und Licht waren sehr überzeugend und hätte man nicht gewusst, dass die Choreografien nicht von professionellen Choreografen stammen, wäre es überhaupt nicht aufgefallen. Als Zuschauer muss man sich einfach mal für eine Stunde komplett fallen und die Bewegungen auf sich wirken lassen. Denn zeitgenössischer Tanz kann oft entfremdend wirken und gleichzeitig ein ganz besonderes Gefühl in einem hervorrufen, welches man so noch nicht kannte. Meiner Meinung nach war es etwas schade, dass am Ende nicht noch einmal alle Tänzer und Tänzerinnen auf die Bühne gekommen sind, sondern nur die Choreograf*innen. Alles in allem hat mir die Vorstellung jedoch sehr gut gefallen.

 

Text: Amelie Zarbock

Bilder: Dresden Frankfurt Dance Company

„#Prohlis_Paradies“ ein Tanz- und Musiktheater in HELLERAU

Prohlis: Paradies oder nicht?

Das Stück #Prohlis_Paradies ist zum Großteil von Kindern und Jugendlichen der 121. Oberschule Dresden-Prohlis entwickelt und aufgeführt worden. Insbesondere überraschen die Kinder, indem sie sich ohne Angst in das Scheinwerferlicht stellen. Neben den schauspielerischen Elementen ist auch viel mit Technik gearbeitet worden. Unter anderem sind Filmclips auf drei Bildschirmen zu sehen, welche die Jugendlichen selbst gedreht und produziert haben. Jedoch haben die optischen Reize uns überfordert, so dass es uns schwerfiel das Große Ganze zu überblicken.

Auch die musikalischen Fähigkeiten der Band und der Solisten sind nicht außer Acht zu lassen. Das Verhältnis zwischen den vier Komponenten Schauspiel, Tanz, Musik und Technik ist sehr ausgeglichen gewesen.

Insgesamt hat uns das Stück sehr gut gefallen, da den Schauspielern die Freude anzusehen war. Im Nachgespräch wurde uns bestätigt, dass neben der Freude auch viel Arbeit sowohl durch die Choreografin als auch durch die Kinder und Jugendlichen in dieses Stück investiert wurde.

 

Beitrag von Karoline Adam, Aylin Koc, Paula Ramminger, Walerija Geiser, Victor Kühne und Anton Schieche im Rahmen der Projektwoche des Marie-Curie-Gymnasiums

Bilder von Konrad Behr

„Dis Sylphide“-Drei Klassiker des modernen Tanzes neu inszeniert in HELLERAU

Dis Sylphide – Drei Klassiker des modernen Tanzes neu inszeniert

 

Zwölf Personen sitzen schweigend auf kreisförmig aufgestellten Hockern. Das ist der Anfang von Dis Sylphide. Zusammen mit den inklusiven Theatergruppen „Per.Art“ aus Novi Sad in Serbien und „Meine Damen und Herren“ aus Hamburg rekonstruiert, untersucht und verkörpert Saša Asentić in diesem Stück drei Klassiker des modernen Tanzes: „Hexentanz“ von Mary Wigman, „Kontakthof“ von Pina Bausch und „Self Unfinished“ von Xavier Le Roy.

 

Die serbische Tänzerin Natalija Vladisavljević beginnt nachdem andere Künstler eine Kurzgeschichte und ein Gedicht aus der Feder der Tanzenden vorgelesen haben mit ihrer Interpretation von Mary Wigmans „Hexentanz“. Musikalisch begleitet wird sie durch die anderen Darsteller*innen, welche zunächst mit angefeuchteten Fingern auf Weingläsern Töne erzeugten, dann auf ihre Hocker schlugen und schlussendlich anfingen zu schreien.

Urplötzlich folgte Stille auf diesen lauten Höhepunkt und die Künstler begannen in aller Seelenruhe die Bühne umzugestalten bis schließlich alle Hocker verschwunden waren, dafür aber eine Stuhlreihe an der hinteren Wand stand.

 

Im zweiten Teil des Stückes untersuchten die Akteure „Kontakthof“ und präsentierten sich zunächst wie in der Anfangsszene dieses Werkes. Im Anschluss unterhielten sie sich auf Englisch, Deutsch und Serbisch über das Stück aus dem Jahr 1978. Es wurden weitere Szenen getanzt, nicht selten, ohne das Publikum einzubeziehen. So wurde zunächst eine Art Kampf zwischen Männern und Frauen gezeigt, jedoch ohne, dass die zwei Gruppen sich berührten. Sie drängten sich vielmehr gegenseitig an die Wände des Raumes und riefen sich dabei die Befehle „Kopf, Schulter, Bauch, Bein“ zu. „Dieser Kampf zeigt eine Form von Gewalt“, meint Tom Reinecke, „es handelt sich hierbei aber nicht um physische, sondern eher um psychologische Gewalt“. „Auch das Präsentieren am Anfang spiegelt eine Art von Gewalt wieder, da das Publikum jeden Einzelnen regelrecht anstarrt.“, so Snežana Bulatović.

Die drei folgenden Performances zeigen den Ausschluss einzelner Tänzerinnen durch die Gruppe, nur eine der drei aber lässt sich nicht unterkriegen. „wir wollen zeigen, dass jede Frau stark ist“, sagt Celina Scharff. Zusammengefasst wird das Stück mit einem Zitat Can Gecirs, der in einer früheren Arbeitsphase von Dis Sylphide mitwirkte: „Kontakthof ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es zeigt uns, dass wir uns gegenseitig ausschließen.“

 

Bevor die Darsteller*innen zum dritten Teil übergehen, wird noch ein letztes Mal das Publikum für einen Tanz auf die Bühne geholt. Jedes Paar wippt von einem Fuß auf den anderen, manche unterhalten sich, andere genießen diese fünf Minuten lautlos. In der letzten halben Stunde von Dis Sylphide verkörpern die Tänzer „Self Unfinished“ aus dem Jahr 1998 und bewegen sich sehr langsam und leise über die Bühne.

 

So geht nach anderthalb Stunden ein spannendes Stück zu Ende.  Ich denke, ich kann für alle Zuschauer sprechen, wenn ich sage, dass es beeindruckend war, wie die beiden inklusiven Gruppen zusammengearbeitet haben, um Dis Sylphide auf die Beine zu stellen. Es hat Spaß gemacht, zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Akteure getanzt haben. Interessant fand ich auch die Gestaltung des zweiten Teils ähnlich einer offenen Probe. Durch die Gespräche, welche auf der Bühne geführt wurden konnte man sich selbst noch einmal Gedanken über das davor Gezeigte machen. Saša Asentić und die beiden inklusiven Theatergruppen haben mit Dis Sylphide ein sehr besonderes Stück geschaffen, welches ich nur weiterempfehlen kann.

 

Text: Ingrid Hering

Bild: Anja Beutler

Die Nacht der Musicals

„Cats“, „Phantom der Oper“, „Mamma Mia“…

In „Der Nacht der Musicals“ kann man Auszüge aus den erfolgreichsten Musicals live erleben. Am 21.02.2019 machte die Show, die durch ganz Deutschland tourt im Kulturpalast Dresden Stopp.

Von der ersten bis zur letzten Sekunde zogen die Darsteller das Publikum in ihren Bann und überzeugten mit gefühlvollen Balladen bis hin zu schmissigen Klassikern, die ordentlich Stimmung machten. Für den einen oder anderen Gänsehautmoment sorgten Interpretationen aus unter anderem „Frozen“, Hits von ABBA hingegen animierten das Publikum zum Mitsingen und klatschen. Mit der „Rocky Horror Show“ war auch ein humorvoller Auszug gegeben. Jeder einzelne gezeigte Ausschnitt, der das jeweilige Musical repräsentierte, war auf seine eigene Weise unvergesslich.

Das Ensemble besteht aus internationalen, talentierten Musicaldarstellern, die zum Teil Hauptrollen in Originalproduktionen spielten. Auf der Bühne sieht man 6 Sänger*innen, die unterstützt von Tänzern die Musicalhits interpretieren.

Das Event bietet für Jung und Alt eine Mischung aus den besten und bekanntesten Musicals. Egal, ob man auf Rock, Rock´n´Roll oder Balladen steht, für jede Art von Geschmack war etwas im Programm enthalten.

Ich persönlich bin sehr froh die „Nacht der Musicals“ erlebt haben zu dürfen und war von jedem einzelnen Ausschnitt begeistert. Obwohl es mein erster Kontakt mit Musicals war, war ich total überzeugt und garantiere jedem, egal ob musicalbegeistert oder nicht, einen unvergesslichen Abend.

Mit Stimmen, die unter die Haut gehen und den größten Hits der Musicalgeschichte, ist die Interpretation der Stücke als „Nacht der Musical“ sehr empfehlenswert und gelungen.

Mein Tipp für alle, die sich mit Musicals nicht so gut auskennen und alle anderen, die Interesse haben ist ein Programmheft, da es mir teilweise schwer fiel zu erkennen, um welches Musical es sich handelt.

Text und Foto von Melina Israel

(Foto vom Programmheft)

 

Dresden Frankfurt Dance Company mit Girls Dance/Postgenoma/High Breed in HELLERAU

19 Tänzer, 3 Stücke und eine mitreißende Atmosphäre, das ist der „Dreiteilige Ballettabend“ von Jacopo Godani. Alle im Saal warten gespannt darauf, dass es los geht.

Der Ballettabend besteht aus den Teilen: Postgenoma, Girls Dance und High Breed. „Dresden Frankfurt Dance Company mit Girls Dance/Postgenoma/High Breed in HELLERAU“ weiterlesen

„Cezary zieht in den Krieg“: polnisches Theater im Festspielhaus Hellerau

 

Vier Schauspieler und eine Pianistin, allesamt in Sportkleidung, Musik von Stanislaw Moniuszko und anderen polnischen Komponisten, und eine ordentliche Portion Humor: das ist die von Cezary Tomaszewski inszenierte Tanzperformance „Cezary zieht in den Krieg“  („Cezary idzie na wojne“). Aufgeführt wurde das Werk im Rahmen des Festivals des aktuellen polnischen Theaters im Festspielhaus Hellerau, „Polski Transfer”. „„Cezary zieht in den Krieg“: polnisches Theater im Festspielhaus Hellerau“ weiterlesen

Kafkas Prozess po polsku von Krystian Lupa in HELLERAU

 

„Ihr wisst, was jetzt kommt“

Mit diesem Satz gingen 5 Stunden einer faszinierenden Inszenierung des Stückes „Der Prozess“ von Franz Kafka zu Ende. 5 Stunden voller beißender Kritik und subtiler Anspielungen dargeboten von fantastischen Schauspielern.

Wer den Roman Kafkas kennt, weiß wie er endet: Mit dem Tod des Josef K. Nach Wochen oder gar Monaten, die der Prozess dauert, und bei dem er nicht weiß, welcher Schuld er überhaupt angeklagt ist, findet er den Tod durch die Hand zweier Männer. Auf dieses Ende spielt der Schlusssatz an. Doch dieses Ende, wie es im Buch geschrieben steht, hat das Theaterstück gar nicht nötig. Auch so hat der polnische Regisseur Krystian Lupa ein Stück adaptiert, welches sich auf eine besondere Art und Weise mit der Geschichte und mit dem Leben Kafkas auseinandersetzt, dabei jedoch nicht an Aktualität verliert. „Kafkas Prozess po polsku von Krystian Lupa in HELLERAU“ weiterlesen

Rückblick  Motel Vibes von Cindy Hammer & Rudi Goblen in HELLERAU

In „Motel-Vibes“ lassen die beiden Künstler ihre Harmonie spielen, sie reizen sie aus wie um die Grenzen ihrer Verbindung auszutesten. Und es gibt sie deutlich, diese Grenzen. Bald wird klar an welchem Abgrund sich die dargestellte Beziehung befindet, denn sie kommen nicht voneinander los. Im Motelzimmer tropft es stetig von der Decke und das Geräusch untermalt den Auftritt des Dauergastes: Die Enttäuschung. Zwei Menschen in einem Raum und dieser fast genauso verbraucht wie ihre Beziehung; Er will gehen- sie will bleiben. Und sie bleiben auch… Mit ihnen im Raum stehen ihre Vorwürfe und zerplatzten Vorstellungen, die sie ausschweigen, herausbrüllen und natürlich erwartungsgemäß sehr beeindruckend tänzerisch vertonen. „Rückblick  Motel Vibes von Cindy Hammer & Rudi Goblen in HELLERAU“ weiterlesen