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Schaubudensommer in der Scheune

So blau zeigte sich der Himmel am ersten Wochenende des Schaubudensommers.

Weniger Glück mit dem Wetter hatten die Besucher am zweiten Wochenende des Schaubudensommers. Dafür war jedoch der Kuschelfaktor in den Zelten und Containern definitiv höher. Trotz Regenschauern bildeten sich lange Schlangen vor dem Eingang und den jeweiligen Zelten und Containern.
Das Schöne ist, das trotz all dem ich-will-so-viel-wie-möglich-sehen, oder gerade wegen der langen Schlangen die kribbelnde Aufregung Hand in Hand mit einer gewissen Gelassenheit auftaucht. Gut möglich, das dies auch an der Länge des Schaubudensommers liegt. Schließlich hat man ja 10 Tage Zeit sich alles anzuschauen.
A là Was du heute nicht kannst erleben, morgen geht’s weiter- was ein Segen…

Kulturbeitrag für das Gelände

Bereits der Eintritt aufs Gelände für 3€ Kulturbeitrag lohnt sich sehr. Die Buden, Zelte und Container sind nicht nur von Innen sehr aufregend, sondern auch von außen sehr hübsch anzusehen. Der Duft von Rindenmulch, Geräusche aus den Zelten und neugierige Blicke durch die Vorhänge verbreiten diese Freude, die jedes Kind früher im Zirkus oder auch vor Weihnachten verspürt hat. Die Gestaltung des Platzes teilten dieses Jahr vier KünstlerInnen: Das Künstlerduo Muriel Cornejo und César Olhagaray aus Chile konstruierten fliegende Figuren, Marionetten, die im Winde tanzten und neue Formen annahmen, KETE installierte Feinripphemden als Lampen, Regenschirme als Leuchtballons und Gummipuppen in den Bäumen. Für die Veranstaltungshinweise kreierte Spacke künstlerische Botschaften und Schriftzüge.

Cia. Zero em Conducta

Im Trollhaus überzeugte das spanische Duo Cia. Zero em Conducta mit der Premiere ihrer extra langen Version der Performance um und mit Poubelle. „Poubelle, das kleine Miststück.“

Im Zelt ist es dunkel, auf der Bühne steht ein unordentlicher Tisch: hier zwei Kaffee-to-go-Becher, dort eine Klopapierrolle, eine zerflatterte Broschüre, eine Plastikflasche und bunte Plastiktüten. Das Duo beginnt mit einem Tanz, perfekt synchron bewegen sie sich mit marionettenmäßigen Bewegungen. Dazu wenige Geräusche aus den Lautsprechern, den Rest der Musik übernimmt der Regen der auf das Zeltdach prasselt und die Donnerschläge aus der Ferne. Der Marionettentanz endet mit dem Verheddern der Hände der  beiden in einer Plastiktüte. Und langsam formt sich daraus Teil zwei der Performance: Vorsichtig werden diverse Müllgegenstände des Tisches aufgehoben und begutachtet und auf einmal lacht das Publikum los: aus den zwei Kaffeebechern, die über zwei Finger gestülpt wurden, entsteht aus zunächst belanglos gewählten Alltagsobjekten eine Figur, dank der Pappaugen große Ähnlichkeit mit ET. Und los geht das lustige und herzzerreißende Hand- und Fingerpuppenspiel.

Mit Julieta Gascón und José Antonio Puchades (Putxa)

PUNTMOC

Doch schnell rein in das nächste Zelt. In Le Grando Rouge – Zelt beginnt die nächste Vorstellung in wenigen Minuten.

Wieder kommen die Künstler aus Spanien, doch diesmal sind es drei junge Brüder in weißen Hemden: PUNTMOC legen direkt mit geballter Energie los. Ihre Performance funktioniert ohne Drehbuch, ohne Requisiten und ohne Worte. Aus ihren Körpern bilden sie Alltagsgegenstände, verkörpern Persönlichkeiten und covern Bands verschiedener Musikgenres. Hinter mir sitzt ein neugieriges Kind, das bei jeder neuen Pose der Jungs laut in die Runde fragt: „Was soll das denn jetzt sein?“ Doch genau mit dieser Vorstellungskraft der Zuschauer spielt Puntmoc. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, Energie und auch Lautstärke verwandeln sich die Figuren und überlassen es dem Publikum, was man sehen möchte.
Mit Héctor, Juli und Guillem Boada

Mauro Paganini

Dann ab zu Mauro Paganini. Der Argentinier erzählt eine Geschichte über Krieg, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung mit dem Namen „Lonely Room“, umrahmt von seinen Bewegungen und seiner Musik. Auf der Bühne gibt es mehrere Requisiten, vorrangig Möbelstücke, doch im Laufe der Performance stellen sie sich als Musikinstrumente heraus. So spielt er mal mit einer aus Dosen, Holzleisten und Seiten zusammengebastelten Gitarre und singt sein trauriges Liebeslied in den Lampenschirm an der Decke, oder aber er zupft an einer Art Cello, bestehend aus einem kleinen Schränkchen. Im Programmheft steht, der Protagonist begebe sich “in einem traumähnlichen Zustand außerhalb der linearen Zeit […]auf eine wundersam schaurige Reise“. Mir persönlich jedoch kam es wie eine zusammenhaftende Erzählung, eine Liebesgeschichte vor. Doch sehr real und menschlich und lange nicht so mysteriös wie im Programm angekündigt. Das richtig überraschende und auch verwunderliche bleiben aber die wundersamen Instrumente und der schöne Klang, den sie hervorbringen.

Eins der schönsten Dinge des Schaubudensommers ist, neben und nach all dem Trubel in der Scheune, der Auszug der Band um Mitternacht. Angeleitet vom Direktor, gefolgt von dem Publikums; raus aus der Scheune, rein in die Straßen der Neustadt. Jeden Tag ein anderes Ziel, jeden Tag eine andere Überraschung die dann auf einen wartet.

Auch die Konzerte danach um Mitternacht sind nicht zu vergessen und waren auch dieses Jahr wieder gut besucht und rundeten den bunten Abend perfekt ab.

Rund um, einem Sommer in Dresden ohne den Schaubudensommer in der Scheune, würde etwas fehlen. Alle, die nicht weit weg in den Urlaub fahren, können hier in eine verzauberte Welt eintreten und somit auch Urlaub von der Realität und dem Alltag machen. Es ist wie Urlaub in der eigenen Stadt, machen:

Liebes Schaubudensommerteam, wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

Text: Barbara Staudenmaier

Fotos: André Wirsing – Pressefotos Schaubudensommer