Märchen mal anders – „And in the 1000th Night…“ in HELLERAU

Märchen mal anders – And in the 1000th Night…

 

Sechs Stunden lang englische Märchen hören. Das klingt für die meisten wahrscheinlich nach einer ziemlich langweiligen Beschäftigung. Wie die aus Sheffield (GB) stammende Theatergruppe „Forced Entertainment“ in ihrem Stück „And in the 1000th Night…“ beweist, muss dies aber nicht der Fall sein. In diesem Klassiker des Performance-Theaters, der im Jahr 2000 für das für das Festival Ayloul in Beirut zum ersten Mal auf die Bühne gebracht wurde, denken sich die Darsteller*innen sechs Stunden lang Märchen aus.

Zu acht sitzen sie auf der Bühne, eine Pappkrone auf dem Kopf und einen roten Umhang um die Schultern.  Im Hintergrund steht ein Tisch, gedeckt mit verschiedenen Speisen, an welchem sich die Akteure zwischendurch bedienen können. Dann fangen sie an zu erzählen. Jedes Märchen fängt mit dem gleichen Satz an und endet, wenn der Nächste eine Idee hat und „Stop! Once upon a time…“ sagt. Auf diese Art und Weise kommen in den folgenden sechs Stunden die komischsten Geschichten auf die Bühne: Von Walen, die zu Doppelagenten ausgebildet werden sollen, aber eigentlich nur aus einem Themenpark ausgerissen sind, von Fischen, die nicht schwimmen können oder von Geschichten, die zu lang waren, um in einen Van gepackt zu werden. Doch keines dieser Märchen wurde beendet, immer wenn es gerade spannend wurde, oder der Erzähler ins Stocken kam, wurde unterbrochen und die nächste Geschichte zum Besten gegeben. Manches kam einem auch bekannt vor, aber bevor man wusste woher, fing schon wieder die nächste Erzählung an. Das hatte zur Folge, dass es immer spannend blieb, gleichzeitig fragte man sich aber auch, wie die Geschichte weitergegangen wäre.

Auch die Sitzkissen auf der Tribüne und die Möglichkeit jederzeit eine Pause zu machen, zum Beispiel um kurz etwas zu essen, trugen dazu bei, dass sich das lange Stück gut aushalten ließ. Ich würde mich auf jeden Fall nochmal vor eine Bühne setzen, um diesen acht Künstlern mit ihren lustigen Geschichten meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Text: Ingrid Hering

Foto:  Hugo Glendinning