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Allgemein Film

„Bock auf `nen Film?“

 Im Jahr 2019 litten 690 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger – Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung stetig an. Was passiert, wenn 2050 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten wohnen? Wie können wir gegen den Welthunger ankämpfen? 

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen und die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auch in Deutschland auf den Welthunger zu lenken, veranstalteten die Filmclubs am 15. Juli 2021 eine Filmvorführung in der Aula des Dresdner Romain-Rolland-Gymnasiums. Getreu dem Motto „Licht aus. Film an.“ lädt seit dem September 2016 der gleichnamige Filmclub der Schule zum Film schauen, diskutieren und nachdenken ein. 

Dieses Mal wurde eine 45-minütige Kurzfassung des Dokumentarfilms „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ von Valentin Thurn gezeigt. Dieser beschäftigt sich mit den Ursachen aber auch möglichen Lösungsansätzen der Welthungerkrise. 

So geht es zunächst um Konzerne wie Bayer, welche Saatgut gentechnisch verändern. Damit werden zwar die Erträge der jeweiligen Pflanze gesteigert, allerdings nur unter optimalen Bedingungen. Des Weiteren handelt es sich bei den so produzierten Sorten um Hybride, die Landwirte sind also darauf angewiesen, jedes Jahr neue Samen zu kaufen – und das zu stark schwankenden Preisen. Dies bedeutet eine starke Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen: Hohe Preise oder Naturkatastrophen können für die Kleinbauern schnell den Ruin bedeuten. Das ist der Grund, aus dem zum Beispiel in Indien viele Reisbauern wieder auf traditionelles Saatgut umsteigen. Dieses bekommen sie aus Saatgutbanken, wo die Reisarten nach ihren Eigenschaften, wie unter anderem Salz- oder Dürreresistenz, sortiert aufbewahrt werden. Die Bauern können sich dort bis zu 250 g Samen abholen, mit diesen ihre Felder bestellen und nach der Ernte doppelt so viele Samen zurückbringen. 

Ein weiteres Problem, welches im Film thematisiert wird, ist das Landgrabbing: Kleinbäuerliche Felder in Asien und Afrika werden aufgekauft, um dort günstig Nahrungsmittel anzubauen, welche aber rein für den Export und nicht für die Ernährung der lokalen Bevölkerung dienen. Diese Form des Neokolonialismus hat zur Folge, dass die Einheimischen nicht mehr genug Platz haben, um ihre eigenen Pflanzen anzubauen. Des Weiteren erzielen Klagen gegen die Käufer, welche oft humanitäre Hilfe wie den Bau von Schulen oder die Verfügbarmachung sauberen Trinkwassers versprechen, aber nicht umsetzen, aufgrund korrupter und nicht funktionstüchtiger Justizsysteme oft keine Wirkung. 

Aber es gibt auch Projekte, welche Lösungen im Kampf gegen die Hungerpandemie vorschlagen. So wurde in vielen Studien bewiesen, dass wir wieder kleiner denken müssen, um diese Krise zu bewältigen. Es braucht funktionierende, lokale Versorgungssysteme, um eine nachhaltige und sozial gerechte Landwirtschaft sicher zu stellen. 

Zwei englische Städte, welche diese Ansätze auf ihre jeweils eigene Weise umsetzen zu versuchen, sind Totnes und Todmorden. In Totnes führte man 2007 den Totnes-Pound ein, eine lokale Währung, welche es ermöglichen sollte, unabhängiger vom Welthandel zu handeln. Dieser wurde allerdings 2019 abgeschafft, da man immer mehr zum bargeldlosen Zahlen überging. Todmorden trägt den Beinamen „edible city“; überall in der Stadt wachsen essbare Pflanzen, welche von allen Bewohnern gepflückt und geerntet werden können. 

Dies sind nur ein paar Probleme, welche in „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ angesprochen werden. Der Film zeigt auf relativ einfach verständliche Weise, worin die Ursachen für die Hungerkrise liegen, wie diese miteinander verknüpft sind und wie man sie lösen kann. 

Nachdem der Film uns einen Einblick in die Thematik bot, konnten wir mit unseren Fragen auf den für die Vorführung eingeladenen Experten zugehen. Es handelte sich um Thomas Markert, welcher sich seit vielen Jahren mit nachhaltiger Entwicklung in den verschiedensten Vereinen engagiert und heute Referent im Cambio e.V. ist. Er ernährt sich überwiegend vegan und vegetarisch, hält aber auch eine bedrohte Schafrasse in der Lausitz als Nutztier. Des Weiteren vermehrt er zwei seltene Bohnensorten und organisiert Sommercamps für Kinder und Jugendliche. 

Mit ihm sprachen wir darüber, wie man selbst lokal etwas für nachhaltige Ernährung tun kann, zum Beispiel indem man an Urban Gardening Projekten teilhat, aber auch über globale Probleme in Bezug auf die Hungerkrise, und wie wir als in privilegierten Verhältnissen Lebende auf diese Aufmerksam machen und helfen können. Leider verlief das Gespräch an einigen Stellen etwas einseitig. Schüler, vor allem Julia, welche die Veranstaltung mit organisiert und sich dementsprechend auch ausführlicher auf das Gespräch vorbereitet hatte, stellten Fragen und Thomas antwortete. Eventuell hätte man durch eine kurze Vorstellungsrunde und direkte Rückfragen eine Diskussion anregen können, bei der jeder seine Meinung kundtun könnte. 

Generell überzeugt allerdings das Konzept der Filmclubs: Zunächst schaut man einen Film, der einem Input zu einem polarisierenden Thema gibt und kann im Anschluss seine Fragen und Gedanken im persönlichen Gespräch mit einem Experten loswerden. Auch fand die Veranstaltung in einer gemütlichen Atmosphäre mit leckerem Essen statt, was dazu beitrug, Barrieren zwischen den Teilnehmenden und den Organisatoren zu überwinden. Wer also gerne diskutiert und sich zu den unterschiedlichsten Themen informieren und engagieren möchte, der sollte unbedingt vorbeischauen, wenn es wieder heißt: „Licht aus. Film an“ 

Weiterführende Informationen: 
https://filmclubs-sachsen.de/ https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2020/un-report-nahrungssicherheit-hunger/221914
https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2010/neue-form-des-kolonialismus-100.html
https://quergedacht-dresden.de/gd-home/
https://www.incredible-edible-todmorden.co.uk/
https://www.smarticular.net/

Text: Ingrid Hering
Foto: Julia Zühlke 

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Allgemein Tanz und Theater

Von Luftkleidern, Walen und Festspielhausgeschichte – „Geometrisches Ballett – Hommage à Oskar Schlemmer“

Es ist ein lauer Juliabend. Vor dem stetigen Zirpen der Grillen hört man Leute lachen und reden, zwei Mädchen schwingen auf den Schaukeln des Kulturgartens vor und zurück. Zehn Minuten später: weiße Stille. Nur leise hört man das Rascheln des Flyerpapiers, die letzten Leute, welche sich im Großen Saal des Hellerauer Festspielhauses tummeln. Auf der Bühne steht eine weiße Treppe; versteckt in einer Ecke hinter den Zuschauerreihen kann man einen Mann erkennen, welcher eine große Anzahl an Perkussionsinstrumenten um sich angehäuft hat: ein Schlagzeug, ein Thundersheet, ein Launchpad,… 

Der Mann heißt Sascha Mock und ist für die Musik des „Geometrischen Balletts“ zuständig. Dieses wurde 2019 im Rahmen des Festivals „Appia Stage reloaded“ in HELLERAU uraufgeführt, seine Wurzeln liegen aber viel tiefer in der Tanzgeschichte. Wie der Titelbeisatz schon besagt, ist das Werk dem „Triadischen Ballett“ Oskar Schlemmers gewidmet, welches eng mit der Geschichte des Festspielhauses verknüpft ist. Während eines sechsmonatigen Fortbildungsurlaubes in der „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus“ von Émile Jaques-Dalcroze, wie das Festspielhaus damals hieß, kam dem Tänzerehepaar Albert Burger und Elsa Hötzel die Idee für ihr Ballett. Noch im selben Jahr konnten sie Oskar Schlemmer zur Mitarbeit überzeugen, welcher unter anderem die Kostüme für die Vorführung kreierte und bei der Uraufführung 1922 in Stuttgart unter dem Pseudonym Walter Schoppe tanzte. 

Ähnlich dem „Triadischen Ballett“ arbeitet auch das „Geometrische Ballett“ mit großen, aus geometrischen Formen zusammengesetzten Luftkleidern, Körperpappen, und -masken. In Ansätzen wurde das Stück schon 1991/92 in Braunschweig aufgeführt, schon vor über zehn Jahren gab es die Bestrebungen der Bildhauerin Ursula Sax, das Stück in Hellerau aufzuführen, was allerdings erst im Bauhausjahr 2019 realisiert wurde. Durch die Zusammenarbeit renommierter Künstler wie Ursula Sax, Katja Erfurth, Sascha Mock und Ted Meier entstand so ein Werk, welches die Grenzen zwischen Tanz, Performance, Skulptur, Musik und Lichtkunst verschmelzen lässt. 

Im Saal ist nun absolute Ruhe eingekehrt, alle schauen gebannt auf die weiß angestrahlte Bühne. Kurz geht das Licht aus und nur durch eine zentral hängende warmweiße Glühlampe werden die hereinkommenden Tänzer beleuchtet. Sie bewegen sich langsam in ihren weißen Körperpappen, wiegen sich im Takt der verspielt anmutenden Musik. 

Das „Geometrische Ballett“ ist ein Werk voller Kontraste, welche sich gegenseitig verstärken und zusammenspielen. Ruhige Szenen folgen auf Bewegte, laute auf leise Musik, rotes Licht wird neben grünem eingesetzt, die Bühne erscheint mal in warmen mal in kühlen Farben, gerade Kanten aus schwerem Filz treffen auf schwebende Kreisformen. Besonders fallen die Kostüme auf. Es gibt geometrische Formen aus harter Pappe, in welche die Tänzer hineinsteigen, Figurinen aus Filz und bodenlange Körpermasken aus leichtem fließendem Stoff. Letztere verändern sich durch die Bewegungen der Tänzer; wenn diese in die Hocke gehen strömt Luft in Ausstülpungen im Stoff, welche sich nach allen Seiten aufrichten. Durch ihre Länge wirkt es außerdem oft so, als würden die Tänzer durch den Raum schweben. 

Doch auch in der Perfomance lassen sich Gegensätze entdecken, oft meint man Spuren menschlicher und tierischer Kommunikation zu erkennen. So wird mir eine Szenenfolge besonders in Erinnerung bleiben: Zunächst sieht man einen Tänzer, welcher sich mit einer riesigen weiße Fahne über die Bühne bewegt. Durch den Luftzug füllt sich diese allerdings auf, so dass es aussieht, als würde ein großer Wal durch den Saal schwimmen. Dieser Eindruck wird verstärkt, durch das blaue Licht, welches die Schatten des Wales aussehen lässt wie Wellen im Wasser. Plötzlich legt der Tänzer sich auf den Boden, deckt sich mit dem Stoff zu und zwei weitere Tänzer kommen auf die Bühne. Sie tragen ein großes Tuch mit schlauchartigen Ausbuchtungen, in welche andere Tänzer ihre Arme stecken. Ähnlich einem Puppentheater werden diese nun ihre Hände bewegen und miteinander interagieren; dazu hört man menschenähnliche Geräusche. Die Situation erscheint sehr komisch, das Publikum schmunzelt, vereinzelt hört oder sieht man jemanden lachen, doch die wenigsten scheinen sich dies so recht zu trauen. 

Alles in allem erscheint einem das „Geometrische Ballett“ recht schlicht: es gibt viele gerade Formen, kaum Requisiten und ein einfaches Bühnenbild. Selbst im Zuschauerraum setzen sich die klaren Strukturen fort, denn die Abstandsregeln sind durch weiße Stuhlhussen markiert. So ist nur jeder dritte Platz besetzt, von der letzten Reihe aus betrachtet sieht man also zunächst viele diagonale Linien aus Zuschauern, bis der Blick auf die Bühne fällt. Dennoch ist das Stück keinesfalls langweilig; durch die verschiedenfarbige Beleuchtung ändert sich stetig die Farbwirkung der Kostüme und aufgrund der tiefen Basstöne kann man die Musik bis in die Fingerspitzen spüren. 

Nach anderthalb Stunden verlassen wir mit noch vom Applaus kribbelnden Handflächen den Großen Saal und treten aus dem beleuchtetem Flur des Festspielhauses auf den von der Dämmerung eingenommenen Parkplatz. Hier verlaufen sich die Wege der Zuschauenden, die einen steigen in die Straßenbahn, andere genießen noch einen Spaziergang durch die Hellerauer Gartenstadt, welche in der lauen Juliluft zu schlummern scheint. 


Text: Ingrid Hering
Foto: Peter Fiebig

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Allgemein

Zwischen kinetischen Objekten und Komfortrauschen – unterwegs auf dem Bandstand

Here we go again! Naja, das gilt nicht für mich, der ich zum ersten Mal beim Bandstand war, aber sehr wohl für das Festspielhaus Hellerau, wo am 14. und 15.02. zum siebten Mal der Bandstand stattfand. Nach dem Kulturgeflüster-Workshop am Freitag war die Redaktion auch am Samstag vertreten.

Einen eindrücklichen Anblick boten gleich zu Beginn, beim Betreten des Vorplatzes, das bunt beleuchtete Gebäude und davor eine riesige Feuerschale, vor der sich auch schon eine Menschentraube angesammelt hatte, die den warmen Willkommensgruß sehr genoss. Nach dem Besuch der Kasse im Foyer sollte es um Acht im großen Saal auch schon beginnen.

Der Raum war beeindruckend. Von der Hauptbühne, die sich durch ihr Bühnenbild und die großartige Lightshow gleich als solche bestätigte, ging es, über die mit Sitzsäcken bestückte Tribüne zur sogenannten Skybar, deren Namensgeber eine als Decke umfunktionierte Leinwand war. Sie wurde den ganzen Abend von Beamern mit Schriftzügen wie „Bar“ und „Bandstand“ bespielt, was die Suche nach Getränken stark vereinfachte.Von dort hatte man auch einen tollen Blick in den großen Saal. Das Geschehen in den Nebensälen wurde rechts und links an die Wand projiziert, was auch sehr praktisch war.

An der Bar ging es auch gleich los mit dem Programm, und zwar mit „The Equipment“, einem Duo aus Falk Töpfer und Max Rademann, der dem ein oder anderen Hellerau-Gast kein Unbekannter sein dürfte. Die beiden kurbelten mit Songs wie „Der heißeste Mensch“, ganz im Disco/ Eurodance Stil die Stimmung an.

Dann ging es auch schon weiter mit LUT auf der großen Bühne. Sie spielten mit einer tollen Atmosphäre ihre souligen Jazz-Hop tracks in den sich füllenden Raum. Nach dem Auftritt war auf der Projektion zu sehen, dass das Konzert der Scary Foreigners im Dalcroze Saal begonnen hatte. Dort angekommen war das Geschehen bereits in vollem Gange, die vier Musiker bewiesen mit schwungvollen Riffs, Akkorden und Drum-Soli, dass bei ihnen alles andere als der Name Programm war.

Gleich darauf legten im großen Saal Memona los. Sie brachten mit Afrobeat und Funk das Publikum zum Tanzen und boten eine tolle Show mit einer Vielzahl an Instrumenten. Anschließend spielten Dörte und Weltwärts im Nancy Spero Saal. Begleitet von der Gitarre sangen sie sich ins Herz des Publikums.

Darauf war erstmal Luftschnappen angesagt, im Saal war es doch etwas warm geworden. Zeit, das Rahmenprogramm zu erkunden! Das Betreten des Ecksalons Ost, in dem die Ausstellung „Kinetische Objekte“ von Anushka Babushka zu sehen war, war wie in eine andere Welt einzutauchen. Von der Aufregung und dem Treiben bei, und auf den Bühnen war nichts zu spüren. Im Raum fand man eine Sammlung verschiedenster Ausstellungsstücke, die sich alle auf irgendeine Art bewegten, zum Beispiel eine Box mit zwei Armen, die sich kontinuierlich selbst nach vorne schob oder ein kleines Flügelpaar in einer Vitrine, das auf Knopfdruck anfing zu schwingen. Die Ausstellung hatte eine schöne, geheimnisvolle Atmosphäre.

Auf der gegenüberliegenden Seite, im Ecksalon West ging es dagegen ganz schön zur Sache. In einer interaktiven Installation konnten die Besucher*innen des Bandstands einen durchlaufenden Ambient Techno Soundtrack mitgestalten, indem sie die, kreisrund im Raum aufgestellten Hebel, Räder, Membranen und noch einiges mehr bedienten. Sie wurde im Laufe des Abends ausgiebig genutzt und es entstanden großartige Klanglandschaften. Außerdem gab es noch den Popisterror Tempel, in dem man sich ein gesellschaftskritisches Hip Hop Video anschauen konnte, einen kleinen PC in einem Aquarium auf dem den ganzen Abend mit viel Spaß Space Invader gespielt wurde und einen großen Stand mit Merch aller auftretenden Bands.

Doch zurück zum Programm. Als nächstes standen „Komfortrauschen“ und Jacob Korn auf der großen Bühne an und nachdem „The Equipment“ in der Pause nochmal richtig aufgedreht hatte, ging es auch schon los. Die starken Techno- und Housebeats von Jacob Korn, vermischt mit dem mit klassischen Instrumenten einer Band erzeugten minimal Techno von Komfortrauschen wirkten perfekt abgestimmt miteinander und hatten Power, die sichtbar an das Publikum übertragen wurde.

Dann ging es im Nancy Spero weiter mit Stina Mari, die ebenso wie der nachfolgende Act Annemarie Reynis und Band in Richtung Singer/Songwriter ging und eine angenehme Abwechslung im Programm bot. Im Dalcroze Saal waren eher elektronische Sphären angesagt. Dem, was „Sinistra“ mit Klängen und darauf gelesenen Texten an großartigen Soundscapes vollführte, stand „trans alp“, der gleich darauf an der Reihe war, keineswegs nach. Die Zuschauer*innen saßen wie gebannt im Raum und ließen sich von der Musik in Trance bringen.

Und wer dachte, dass der Abend so langsam auslaufen würde, lag falsch. Tam Tam Combony drehte nochmal richtig auf, sie spielten in einer ungewöhnlichen, aber nicht unpassenden Besetzung mit Hawaii-Gitarre, Mundharmonika, Bandoneon und Tenorhorn und schmissen die Leute mit gecoverten Hits wie „Gummybear“ oder „All that she wants“ nach einigem Tanzen aus dem Saal.

Insgesamt war der Bandstand 2020 eine sehr gelungene Veranstaltung, bei dem sowohl die Musik als auch das Drumherum überzeugte. Gerne wieder!

 

 

Text: Luca Hirsekorn

Fotos: Luca Hirsekorn

 

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Allgemein Fotografie Musik

Picturing the Bandstand – Eine Bildergalerie

Am 14.02. 2020 fand in HELLERAU, dem Europäischen Zentrum der Künste der Auftakt von Dresdens größtem Indoor-Festival der lokalen Bandszene , der sogenannte „BANDSTAND“, statt. Eine gute Gelegenheit sich mal in der Veranstaltungsfotografie auszuprobieren, finden wir! Deshalb hat Kulturgeflüster zusammen mit der Crossmedia Tour Dresden einen Workshop organisiert, bei dem die elf jungen Teilnehmenden auf dem Bandstand nach Lust und Laune fotografieren und dokumentieren durften. Das Ergebnis wollen wir euch nicht vorenthalten:

 

Blick von außen auf das Festspielhaus. Auf dem großen Platz erleuchtet die große Feuerschale das Treiben und gibt Möglichkeit, sich aufzuwärmen.

Foto: Luca Hirsekorn

 

 

 

Neben den musikalischen Acts gab es eine Vielzahl an Installationen überall im Festspielhaus zu bewundern. So zum Beispiel die Ausstellung Kinetische Objekte von Anushka Babushka.

Foto: Alexander Zahn

 

Frei im Haus bewegte sich das Künstlerinnen-Kollektiv KOMA, die man bei audiovisuellen Pop up Performances beobachten konnte. Von ihnen stammt dieser ungewöhnliche Altar.

Foto: Tom Simmank

 

 

 

Im Ecksalon West hatte das Publikum die Möglichkeit bei „Music is my Radar“ von kazoosh! selbst aktiv zu werden und über diverse Objekte, Dinge mit Knöpfen, Kurbeln, Hebeln, Drehrädern,  einzelne Tonspuren zu starten. Dabei visualisierte ein riesiger auf den Boden projizierter Radar das Geschehen in verschiedenen Farben.

Foto: Nele Wiedemann

 

 

 

 

 

Und auch die größte Bar des Abends mutete eher wie ein Kunstwerk an.

Foto: Alexander Zahn

 

 

 

Neben diesen visuellen Highlights im und vor dem Festspielhaus gab es aber vor allem viel zu hören an diesem Abend: 13 Bands spielten auf drei Bühnen und brachten das Publikum zum Tanzen, Lachen, Headbangen oder einfach nur zum andächtigen Lauschen.

Zum Beispiel „Die Affen“, die insgesamt vier mal an unterschiedlichen Orten zusammenkamen und musizierten. Foto: Jasper Bendix

 

 

 

Die erste Band auf der Hauptbühne „Cedric“ spielte melodischen Postpunk.

Foto rechts: Tom Simmank, Foto links: Susen Riediger

 

 

 

Mit das größte Highlight des Abends war der Auftritt von „Andi Valandi & Band“.

Foto: Jakob Müller

 

Foto links: Nele Wiedemann, Foto rechts: Susen Riediger

 

 

 

 

 

 

 

                       Foto: Susen Riediger

Auch zu hören gab es die Bands „Jaguwar“, „Alice Roger“, „Triggerkid & The Ending Man“ und „Space Raptor“.

Jaguwar, Foto: Jakob Müller

 

Alice Roger während ihres Auftritts. Foto links: Florian Wagner, Foto rechts: Lisa Jäger

 

 

 

 

 

 

Der große Saal mit Publikum, Foto: Mihail Fomin

 

Die Bands Space Raptor (links) und Triggerkid & the Ending Man in Aktion. Foto links: Luca Hirsekorn, Foto rechts: Jasper Bendix

 

 

 

 

 

 

 

Unser Dank gilt HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Crossmedia Tour Dresden, die diesen Workshop ermöglicht haben. Danke außerdem allen Teilnehmenden für die wunderbaren Fotos.

 

Titelfoto: Alexander Zahn

Text: Theresa Wünsch

 

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Allgemein Tanz und Theater

LAP DANCE – eine Einladung der Dresden Frankfurt Dance Company seiner Kreativität freien Lauf zu lassen

Am 09.02.2020 war es wieder soweit: Jung und Alt trifft sich in HELLERAU, um der Dresden Frankfurt Dance Company beim Tanzen zuzusehen. Die nach ihren Förderern, zwei Landeshauptstädten, benannte Company tritt an diesem Tag ein letztes Mal mit LAPDANCE auf, aber keine Sorge: Seit 2015 kann man die DFDC dreimal jährlich im Festspielhaus zu Gesicht bekommen. Wer mehr über das Festspielhaus und seine Bemühungen, barrierefrei zu werden, die Company und deren Stücke erfahren will, dem kann ich empfehlen, sich einmal eine Einführung in Gebärdensprache anzusehen oder anzuhören, die es manchmal vor den Aufführungen gibt.

Nun aber zur Performance LAPDANCE an sich, welche diesmal in zwei Teile gegliedert war. Beim Betreten des Großen Saals  hatte man die Möglichkeit, sich vor oder neben die Bühne zu setzen, auf der sich die Tänzer langsam einfanden, um sich, so sah es aus, aufzuwärmen. Im Hintergrund, auch auf dem Tanzteppich, konnte man außerdem ein Streichquartett entdecken, welches den ersten Teil mit Werken des ungarischen Komponisten Béla Bartók begleitete. Nach ein paar Minuten aber entzogen sich die 16 Tänzer dem Blickfeld des Publikums, damit pünktlich um 16.00 Uhr das Stück beginnen konnte.

In den folgenden 25 Minuten bot sich dem Betrachter ein Stück, begleitet von den Klängen des Streichquartetts, welches an eine Übungssituation erinnerte. Der Einwurf des Wortes “Go” oder verschiedener Zahlen verstärkte diesen Eindruck, war aber auch dafür verantwortlich, dass man sich weniger dazu eingeladen fühlte, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und sich vorzustellen, was die Tänzer darstellten, weswegen mir persönlich der zweite Teil besser gefiel. Nach einer kurzen Pause trafen sich hier die Zuschauer und Tänzer wieder, die Musik des Streichquartetts allerdings wurde durch zeitgenössische Musik vom Band ersetzt. Im Kontrast zum sehr hellen und eher schlichtem, ohne Requisiten auskommenden ersten Teil von LAPDANCE war es nun sehr dunkel, die Beleuchtung war gedimmt und die Lichtquellen kamen primär von den Requisiten der Tänzer: stabförmige LED-Lichter, dünne Plastikfolien oder Tüten, die getragen von heliumgefüllten Kissen als Hüte fungierten, einem tischähnlichen Wagen und auf kleineren Wägen geschobene Gasflaschen. Dieser Anblick war zunächst bizarr, man suchte eine Verbindung zwischen allen Objekten und Geschehnissen auf der Bühne, entdeckte immer neue Bilder: eine wunderbare Vorlage, sich Geschichten zum Getanzten auszudenken.

“Das dort ist der Probenleiter. Wenn Sie den nicht sehen, dann ist alles in Ordnung”, so Frauke Wetzel während der Stückeinführung. Nun ja, wir haben ihn zwar gesehen, denn auch er war neugierig, was vor dem Stück so erzählt wird. Dennoch kann man nicht behaupten, dass bei dieser Aufführung etwas nicht in Ordnung gewesen wäre, im Gegenteil: Die Dresden Frankfurt Dance Company gibt einem immer wieder einen guten Grund das Festspielhaus im Dresdner Norden zu besuchen.

 

Text: Ingrid Hering

Fotos: Dominik Mentzos

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Allgemein Kunst Theater

Prosa – Ein Abend mit einer russischen Performance

Am 10. Januar waren wir zu Gast in HELLERAU – dem Europäischen Zentrum der Künste für die Eröffnung des Festivals mit dem ungewöhnlichen Namen „Karussell“, welches Kunst- und Kulturschaffende aus Russland zeigt, die zeitgenössische russische Performance Art in Dresden präsentieren. An diesem Abend sahen wir ein Stück des Regisseurs und Komponisten Vladimir Rannev:

Prosa

Ein anziehendes Bühnenbild. Mit schwarzen Platten ist der große Saal vom Boden bis zur Decke geteilt. Nach gehaltenen Eröffnungsreden erhebt sich ein Teil dieser Teilung. Ein umrahmter Raum wird sichtbar.

Ca 7x3m, ein Gefühl als würde man in einen Fernseher schauen; das visuelle Bühnenbild verstärkt dies: Von einem Beamer auf einen Netzstoff projizierte Illustrationen mit auf deutsch verfassten Sprechblasen als Text, schnell wechselnde Bilder, man liest mit. Versucht die Eindrücke zu bündeln und in
Verbindung zu bringen.
Dahinter bis zu 4 Schauspieler*innen. Zum Teil im Dunklen verborgen, in einem anderem Moment vom Licht in Erscheinung gebracht. Dank der Transparenz des Netzstoffes verschmelzen die Schauspieler*innen und die Illustrationen  zu einem Bild. Die Geschichte von „Prosa“ besteht so aus immer neuen Szenen, es wirkt wie aus einem Bilderbuch.

Eine dritte visuelle Ebene wird von Zeit zu Zeit sichtbar. Denn vor dem Netzstoff erscheinen schwebend die Abbildungen singender Frauen, ein Livemusik-Moment ohne die Sängerinnen wirklich ausmachen zu können. Nach dem Stück erfahren wir im Gespräch, dass die Sängerinnen unterhalb der Bühne stehen. Mit Spiegeln werden ihre Erscheinungen in den für die Zuschauenden sichtbaren Bereich reflektiert.
Ein trickreiches Stück.
Ein achtstimmiges Ensemble bringt vielfältige musikalische Klangteppiche hervor, verschachtelte rhythmische Passagen und schwebende Melodien, Mikrotonalität und Klänge wie aus orthodoxen Kirchen, gesungen mit russischem Text.

Die Bezeichnung dieses Stückes als „elektro-opera“ trifft in jedem Falle zu. „Prosa“ bedient sich zwei verschiedener Texte von russischen Autoren zur gleichen Zeit. Der Text des Autoren Yury Mamleev ist während des Stückes auf den Sprechblasen zu lesen, Anton Tschechows „Die Steppe“ wird von dem Frauenchor vorgetragen. Visuell beeindruckend und eine echte Herausforderung.

 

 

Text von Tilman and Maria Pätzold

Fotos: Olympia Orlova

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Allgemein Tanz und Theater

Wenn der Hellerauer Tanzteppich in Flammen steht: „Floor on Fire – Battle of Styles“

Ballet, Contemporary, Voguing und Breakdance: Tänzer*innen dieser Tanzstile trafen am Samstag in Hellerau aufeinander um bei „Floor on Fire – Battle of Styles“ gemeinsam gegeneinander anzutreten. In insgesamt sieben Battles ging die Tanzfläche im Großen Saal des Festspielhauses zum wiederholten Mal in Flammen auf. Es wurde kombiniert, improvisiert, gejubelt, geklatscht, gestampft, Musik gespielt, aber vor allem mit aller Leidenschaft getanzt.

Es ist 17:30 Uhr, zehn Tage vor dem Ende des Jahres 2019, der Parkplatz des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau ist voll, vor und im Festspielhaus tummeln sich die Zuschauer. Hier treffen sich Alt und Jung, Tanzbegeisterte und jene, die sich zum ersten Mal eine solche Veranstaltung anschauen, alle hatten sie das Glück, schnell genug eine Karte für die Veranstaltung bekommen zu haben. 20 Minuten später öffnen sich endlich die Türen des Großen Saals und die Leute verteilen sich auf die zwei Tribünen, links und rechts der Tanzfläche. Neben dem Tanzteppich, der an den Ecken, in denen gleich die Teams ihre Positionen einnehmen werden, rot ist, steht DJ Kid Cut und bereitet sich auf den bevorstehenden Abend vor. Vorbereitung: eine Sache, die den Tänzer*innen bei Floor on Fire im Laufe des Abends fehlen wird…

18:00 Uhr ist es dann endlich soweit. Die beiden Moderatoren begrüßen das Publikum und stellen die vierköpfigen Teams der verschiedenen Tanzstile vor: Balletttänzer*innen der Staatsoperette, Vertreter*innen der zeitgenössischen Tanzszene in Dresden, die Contemporary tanzen, Voguing-Tänzer*innen des House of Saint Laurent (früher bekannt als House of Melody)  und Mitglieder der ostdeutschen Breakdance Crew „The Saxonz“. In vier kurzen Choreografien stellen sie ihre verschiedenen Tanzrichtungen vor und geben dem Publikum schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Abend.

Während sich die Tänzer*innen nun kurz wieder zurückziehen, erklären die beiden Moderatoren das Prinzip von Floor on Fire: Bei dem Format, welches 2015 von Hellerau und „The Saxonz“ ins Leben gerufen wurde, geht es darum, die Individualität und Vielfalt des Tanzes zu zeigen. Es werden Tänzer*innen ganz verschiedener Stile und Ästhetiken zusammengewürfelt, um zu Musik, die sie vorher nicht kennen, gemeinsam zu improvisieren und in Battles gegen die anderen Teams anzutreten. Über Gewinner und Verlierer entscheidet eine Jury, in der Kathrin Kondaurow (Intendantin der Staatsoperette), die European Mother Leo of House Saint Laurent, Helge-Björn Meyer, Leiter der Servicestelle FREIE SZENE, und ein Tänzer der Crew „Söhne des Kreises“ sitzen. Das fünfte Jurymitglied, ein zufällig ausgewählter Zuschauer, erfährt jetzt erst von seinem Glück, auf einem der roten Stühle sitzen zu dürfen, von denen aus im Laufe des Abends die Entscheidungen gefällt und verkündet werden sollen.

Dann starten auch schon die ersten Battles. Paare mit Tänzer*innen unterschiedlicher Stilrichtungen, die zwei Stunden vor der Aufführung wahrscheinlich zum ersten Mal gemeinsam getanzt haben, präsentieren ihr Können. Ein Tänzer sorgt mit Weihnachtspullover und- Mütze für eine weihnachtliche Atmosphäre und sogar für den einen oder anderen Lacher im Publikum. Wenn man sich die Tanz-Kombinationen so anschaut, hätte man am liebsten alle behalten und zum gemeinsamen Tanz auf den Tanzteppich gelassen, aber nach den dreirundigen Battles muss leider immer ein*e Tänzer*in die Bühne verlassen. Viermal entscheidet die Jury, welches Team gewinnt und sich eine*n der gegnerischen Tänzer*innen aussuchen darf, um im Halbfinale wieder anzutreten.

Nun ist sie auch schon um, die erste Stunde beim Battle of Styles. Den Zuschauer*innen wird die Gelegenheit gegeben, sich etwas zu essen oder zu trinken zu holen oder den Tanzteppich zu betreten, während backstage das Halbfinale Thema ist. Nach der Pause geht es allerdings noch nicht direkt weiter. Zuerst gibt es einen kleinen Wettbewerb, bei dem jede*r Zuschauer*in einmal über die Bühne laufen, tanzen oder springen darf und die Chance hat, einen Workshop bei Mother Leo of House Saint Laurent in der TENZA-Schmiede zu gewinnen. Die kleinste der mutigen Zuschauer*innen hat, dem Beifall nach zu urteilen, klar die Sympathie des Publikums gewonnen.

Im nun anstehenden Halbfinale tanzen immer drei Tänzer*innen zusammen, die sich als Sieger am Ende zwei weitere Tänzer*innen des anderen Teams aussuchen, die sie im Finale unterstützen dürfen. In den fünf Runden der zwei Battles sieht das Publikum ein weiteres Mal, wie vielfältig Tanz sein kann und wie gut sich die verschiedenen Stile kombinieren lassen. Leider gab es eine kleine Meinungsdifferenz zwischen dem einen Gewinnerteam und dem Publikum bei der Auswahl der Tänzer für das Finale. Denn entgegen den Wünschen der meisten Zuschauer*innen entschieden sich die Tänzer*innen gegen Alexei C. Bernard von der Staatsoperette, der sich daraufhin mit einem wunderbaren Stepptanzsolo verabschiedete.

Nachdem nun auch noch einmal die Jury in einem kleinen Interview zu Wort gekommen war, war es endlich Zeit für das große Finale des letzten Floor on Fire 2019. In 5 Runden setzten die 10 Tänzer ein letztes Mal den Tanzboden in Flammen und es kristallisierte sich endgültig das Gewinnerteam heraus.

Doch eigentlich gab es bei Floor on Fire – Battle of Styles am 21.12.2019 nur Gewinner. Natürlich lebt ein Wettbewerb von der gegenseitigen Konkurrenz, dem Übertrumpfen, dem „noch eins draufsetzen“, aber dieser hier zeigt besser als viele andere, dass es nicht um die Spaltung in Gewinner*innen und Verlierer*innen geht. Wenn das Publikum, die Tänzer*innen und alle anderen Anwesenden am letzten Samstag eins gelernt haben, dann, dass die Verschiedenheit und Individualität den Tanz – aber das lässt sich auch auf viele andere Dinge im Leben übertragen – zu etwas ganz besonderem macht, vor allem, wenn es darum geht, zu kombinieren und zu vereinen. Das ist aber nicht alles, was die Tänzer*innen mit auf den Weg gaben. Sie und DJ Kid Cut sorgten für eine hervorragende Stimmung, die dann auch in der Aftershowparty viele Zuschauer*innen auf dem Tanzteppich teilen konnten.

Nach dem Ende des Wettbewerbs blieb glücklicherweise noch die Zeit für ein kurzes Gespräch mit Alexei, dem Zuschauerliebling im Weihnachtspullover. Er stammt aus Sydney, hat dort im Alter von vier Jahren mit dem Stepptanz begonnen und übt diese Leidenschaft nun mit Perfektion aus. Inzwischen arbeitet der 26-jährige an der Staatsoperette in Dresden als Balletttänzer. Auf die Frage, wie es sich anfühle, Zuschauerliebling zu sein reagierte er äußerst erfreut, da er seinen Beruf aus Liebe zur Kunst des Tanzes gewählt hat, was man ihm auch anmerkt.

Das Format von Floor on Fire, die scheinbar kuriose Zusammenstellung verschiedener Tanzstile, ist nicht ohne Grund jedes Mal schon in weniger als 30 Minuten nach der Ticket-Freischaltung restlos ausverkauft. Das etwas andere Tanzbattle ist auf jeden Fall einen Besuch wert und vielleicht ja auch ein gutes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk, denn was ist schöner als gemeinsam und mit Spaß verbrachte Zeit?

 

Text: Ingrid Hering und Gabriel Muck

Bilder: Stephan Floss

 

 

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Theater

Medea – leicht und brutal

Medea die Kindsmörderin. Medea die rachsüchtige Hexe. Medea die Brudermörderin. Medea die Fremde. Medea die Täterin. Medea das Opfer.

Jede*r erzählt die Geschichte der Kolcherin, die Jason half, das goldene Vlies zu stehlen und dann mit ihm nach Korinth kam, anders. Schon in der Antike gab es verschiedene Versionen der Erzählung, die besonders prominent von Euripides und Christa Wolf niedergeschrieben wurde.

Die Darstellung der Medea in der Inszenierung der Schauspielregiestudentin Rieke Süßkow orientiert sich jedoch nicht an diesen beiden altbekannten Interpretationen der Geschichte Medeas, sondern wählt die Motive des deutschen Schriftstellers und Dramatikers Hans Henny Jahn. Süßkow überträgt diese eigentlich im antiken Korinth spielende Tragödie außerdem in die westliche Moderne. So ist Medea weder Fremde im Land, Zauberin oder kaltblütige Rächerin, sondern ganz einfach Teil einer vollkommen „normalen“ Familie: Vater, Mutter und zwei Söhne. Doch auch in dieser Version des Stoffes geht es um Liebe, soziale Stellung und Macht. Nur werden diese Kämpfe nun nicht in einer Stadt – Korinth – und ihrer Gesellschaft ausgetragen, sondern die Situation wird auf das eigene Heim und die Familie heruntergebrochen.

Das Stück zeigt elementare Probleme einer Familie auf: die sich verflüchtigende Liebe eines Elternteils zum anderen, die Bevorzugung eines Kindes, Konflikte zwischen den Geschwistern, Konflikte zwischen den Eltern. Machtspiele. Wer hat die Familie im Griff? Jason oder Medea? Mal scheint es, als habe Medea alles unter Kontrolle, selbst Jason, im nächsten Moment schlägt dieser sie und würdigt sie herab, indem er sich vor anderen über sie lustig macht und sie als dumm und naiv darstellt. Und er ist fasziniert. Doch nicht von seiner sich kümmernden Ehefrau Medea, sondern vielmehr von einer attraktiven Blondhaarigen, die er Medea vorzieht und für die er sie verlässt.

Von diesem Punkt an geht es mit der Familie bergab. Als Medea dann noch eine Nachricht erhält, deren Inhalt man nur erahnen kann, entlädt sich ihre angestaute Wut auf Jason über der Überbringerin der Nachricht, die dabei verletzt wird. Die Kinder, welche alles gesehen haben, verlieren dadurch jegliches Vertrauen in ihre eigene Mutter und leben von nun an in Angst. Aber nicht nur die Beziehungen zwischen den Charakteren verändert sich, sondern auch die Personen selbst. Medea wird von der perfekten Hausfrau zu einer fahrigen, immer noch an ihrem Mann hängenden Mutter, die scheinbar gefasst ist, sich aber immer mehr in den Wunsch einer perfekten Familie hineinsteigert. Die Söhne, die sich in dieser haltlosen Zeit in eine inzestuöse Liebe zueinander zu retten versuchen, passen dabei nicht ins Bild. Aus Rachsucht an Jason oder aus Wut über das unzüchtige Verhalten der Brüder – so genau lässt sich das nicht erkennen – , erstickt sie ihre Kinder und inszeniert mit ihren leblosen Körpern ein ganz normales Abendessen und wartet auf Jason. Was bleibt ist eine vernichtete Familie.

Das Stück mischt Leichtigkeit und Brutalität. Einerseits der leichte, seichte Alltag und die durch Tänze dargestellte oberflächliche Fröhlichkeit und Perfektheit einer Familie, in der die eigentlichen Probleme unterdrückt werden, andererseits der Mord an den Söhnen in seiner ganzen unfassbaren Kaltblütigkeit. Auch wenn kein Wort gesprochen wird, gelingt es der Inszenierung, sowohl die Gefühle der Personen und deren Veränderung als auch das Geschehen deutlich werden zu lassen, auch wenn einzelne Details unklar bleiben.

Durch die Verkörperung Medeas als eine Frau der westlichen Moderne wirken ihre Taten, ihr Charakter und ihre Empfindungen nicht mehr fremd und fern wie in manch anderer Darstellung. Der Kindsmord, der sich sonst leicht in einer als barbarisch empfundenen Vergangenheit verortet lässt, die mit uns heute nichts mehr zu tun hat, auch wenn uns der tägliche Blick in die Zeitung eigentlich eines Besseren belehren müsste, wird dadurch mit aller Wucht in unsere Mitte gezerrt. Er ist gegenwärtig. Aber das hat nichts mit der herrschenden Moral zu tun, denn Kindsmord widerspricht allen als menschlich empfundenen Regungen, vollkommen jenseits von Zeit und Raum. Nein, es geht um etwas ganz anderes. Es geht um das Dunkle in jedem von uns, um das Unbeherrschbare, Zerstörerische, und es geht um die Furcht vor dem Moment, in dem dieses Dunkle hervorzubrechen und uns und alles, was uns wichtig ist, zu vernichten droht. Um diesen klitzekleinen Moment. Der Kindsmord – er ist hierfür letztlich nur die monströse und absolute Metapher.

 

Text: Leah Strobel

Bilder: Nadja Häupl

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Tanz und Theater Theater

„Du musst jetzt lernen die Ellenbogen auszufahren!“ – „Mit „echten“ Reden: Das Ellenbogen-Prinzip (1)“ von Tanja Krone in HELLERAU

Der Nancy-Spero-Saal erscheint in einem gemütlichen Licht, von einer Konstruktion an der Decke hängen lange, weiße Papierstreifen, hinter einem Pult steht eine Frau, greift in die Tasten und hält einen an die DDR gerichteten Monolog. Die Frau ist Tanja Krone und so beginnt am 30. Oktober ihre Inszenierung „Mit „echten“ Reden: Das Ellenbogen-Prinzip (1)“ im Festspielhaus Hellerau. Zusammen mit Frida Ponizil und Emma Rönnebeck, die nun aus ihren Verstecken hinter den Papierstreifen hervortreten, präsentiert sie den Zuschauern in diesem Stück die Ergebnisse aus 20 Gesprächen mit Familienmitgliedern, ehemaligen Lehrer*innen, Freunden und Freundinnen über die Wendezeit.

Zunächst stellen die Darstellerinnen sich selbst und ihre Rolle vor und nennen dabei Namen und Alter, als die Mauer fiel.

Nachdem Emma Rönnebeck und Frida Ponizil so tun als würden sie eine Tapete anbringen, fangen die Künstlerinnen an die Gespräche nachzusprechen. Dabei lesen sie die Texte nicht einfach vor, sondern schlüpfen in die Rollen der Zeitzeugen, sprechen und benehmen sich wie diese, was das Stück sehr lebhaft und unterhaltsam macht. Am Rand der Bühne steht eine Papierrolle, auf der man die jeweilige Gruppe der Erzählenden ablesen kann. Es gibt: Familie, Lehrer*innen, Jungs und Freundinnen. Zudem wird das Stück mit verschiedenen Musikstücken untermalt, die die Leute damals hörten oder selbst aufgenommen hatten.

Tanja Krone hat mit „Mit „echten“ Reden: Das Ellenbogen-Prinzip (1)“ ein Stück geschaffen, dass uns einen lustigen und informativen Einblick in die Wendewirren gibt. Es werden viele ernstere Themen angesprochen, die die Leute damals beschäftigten, aber vor allem der „normale“ Alltag in der Wendezeit, der DDR und der Umgang mit den Erinnerungen an diese Zeit kommen zum Ausdruck. Die Inszenierung ist genauso etwas für Zuschauer, die zu DDR-Zeiten aufgewachsen sind, als auch für jene, die diese Zeit nur aus Erzählungen kennen, denn sie vermittelt Wissen, regt auf diese Weise aber auch an, sich zu Erinnern. Ich denke, ich kann für viele Schüler*innen sprechen, wenn ich sage, dass man sich einmal eine Geschichtsstunde wünscht, die einen genauso lebhaften, informativen, anschaulichen und unterhaltsamen Einblick in frühere Zeiten gibt.

 

Text: Ingrid Hering

Bilder: Eva Lochner, Reinhard Krone

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Literatur und Lesungen Theater

Mit der Faust in die Welt schlagen

PEGIDA, Übergriffe auf Migranten und der große Wahlerfolg der AfD zeigen, dass rechtes Gedankengut seinen Weg in die Gesellschaft gefunden hat und offen verbreitet wird. Doch weshalb kommt es gerade im Osten und insbesondere in Sachsen dazu, dass PEGIDA und die AfD so viel Anklang und Zustimmung finden?

Die Inszenierung des Theaterstücks „Mit der Faust in die Welt schlagen“ hält sich eng, teilweise wortgetreu an seine Vorlage, den gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel. Rietzschel selbst wurde 1994 in Ostsachsen geboren und lebt heute in Görlitz.

Die Antwort auf die Frage, weshalb die politische Stimmung im Osten aufgeladen ist, wird exemplarisch an der Familiengeschichte der Brüder Phillipp und Tobias erzählt, die in der Lausitz der Nachwendezeit aufwachsen und deren Lebensumfeld von den Wunden, die die Wende in das Land gerissen hat, gezeichnet ist. Weniges ist vernarbt, viele haben sich noch nicht zurechtgefunden in dieser Welt, die sich auf nahezu allen Ebenen verändert hat. Die Gewissheit und Sicherheit von gestern ist Verfall und Ungewissheit gewichen. Und auch die jungen Menschen, die Nachgeborenen, finden keinen Halt; wie auch, wenn alles in Auflösung zu sein scheint. Die Trennung der Eltern, das schon längst geschlossene Schamottenwerk, der Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center, die Globalisierung und der entfesselte Kapitalismus – die Verunsicherung hält auch die beiden Brüder fest im Griff. In ihrem Unvermögen, sich in dieser als fremd empfundenen Welt zurechtzufinden, entwickeln sich die beiden Brüder immer weiter auseinander. Während der jüngere Tobi Zuflucht bei einer Gruppe Neonazis sucht, zieht sich Phillipp immer weiter in sich zurück. Als die PEGIDA-Bewegung in Dresden immer mehr Aufmerksamkeit erlangt und ihre alte Grundschule ein Heim für Geflüchtete werden soll, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Rietzschels Auseinandersetzung mit diesem Stoff ist der Versuch, die derzeitige politische Situation in Sachsen historisch zu erklären und auf einzelne Menschen herunterzubrechen: Weshalb schließen sich immer mehr junge Menschen rechten Gruppierungen an oder teilen deren radikale Gesinnung? Dieses Problem ist nicht allein historisch zu begreifen. Auch die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und die Geheimnisse haben ihren Anteil, die Eltern und Großeltern, die über die Kriegs- und Nachkriegszeit, die DDR und die Wende schweigen, die eigene Schuld und Traumata verdrängen und jetzt keine Antworten geben auf die Fragen der Kinder. Zwei Diktaturen und die Wende scheinen die Menschen ihrer Identität gründlich beraubt zu haben. Was bleibt ist ein Gefühl der Machtlosigkeit, aus der die Radikalisierung oft der einzige identitätsstiftende Ausweg zu sein scheint.

Die Erwartung, die ich habe, als ich das schlichte Bühnenbild zum ersten Mal sehe, bestätigt sich später: Es ist eine typische Inszenierung des Staatsschauspiels. Die Schauspieler sprechen in Richtung des Publikums und immer wieder kommt eine Livecam zum Einsatz; viele Dialoge werden duellartig schreiend ausgetragen, als gäbe es für Schauspieler*innen keine Möglichkeiten, ihre Gefühle auf andere Art und Weise zu vermitteln, mit mehr Nuancen, mehr Schattierungen.

Die Charaktere und deren Entwicklungen sind manchmal zu oberflächlich, sodass ich manche Handlungen nicht vollkommen nachvollziehen kann, vor allem Tobias Veränderung wird im Stück nicht deutlich genug dargestellt.

Alles in allem bietet die Inszenierung dem Zuschauer nichts Neues: Keine neuen Ideen, kein neuer Umgang mit dem im Buch gebotenen Stoff. Dennoch ist die Inszenierung keinesfalls schlecht, lässt einen aber auch nicht zu Ausrufen der Begeisterung hinreißen. Das Stück greift Problematiken unserer Zeit auf, die aus der Vergangenheit entstanden sind, bringt einen zum Nachdenken, zum Hinterfragen der Wende, lässt einen den Kopf schütteln und die Ohnmacht der Charaktere nachempfinden gegenüber dem, was um sie herum gerade geschieht. Man beginnt zu verstehen – aber hat man deshalb Verständnis für die Radikalisierung derart breiter Bevölkerungsgruppen? Ein Gefühl der Ratlosigkeit übermannt einen…

Was sowohl dem Buch als auch den Theaterstück fehlt ist ein Lösungsansatz: Rietzschel beschreibt nur ohne zu urteilen. Er lässt den Zuschauer allein mit der Frage: Was nun? Aber vielleicht hat er recht: welche Schlüsse daraus zu ziehen sind für die Beurteilung und das eigene Handeln, das muss jede*r für sich selbst entscheiden.

 

Text: Leah Strobel

Bilder: Sebastian Hoppe, Marcelo Marques via Unsplash