Prosa – Ein Abend mit einer russischen Performance

Am 10. Januar waren wir zu Gast in HELLERAU – dem Europäischen Zentrum der Künste für die Eröffnung des Festivals mit dem ungewöhnlichen Namen „Karussell“, welches Kunst- und Kulturschaffende aus Russland zeigt, die zeitgenössische russische Performance Art in Dresden präsentieren. An diesem Abend sahen wir ein Stück des Regisseurs und Komponisten Vladimir Rannev:

Prosa

Ein anziehendes Bühnenbild. Mit schwarzen Platten ist der große Saal vom Boden bis zur Decke geteilt. Nach gehaltenen Eröffnungsreden erhebt sich ein Teil dieser Teilung. Ein umrahmter Raum wird sichtbar.

Ca 7x3m, ein Gefühl als würde man in einen Fernseher schauen; das visuelle Bühnenbild verstärkt dies: Von einem Beamer auf einen Netzstoff projizierte Illustrationen mit auf deutsch verfassten Sprechblasen als Text, schnell wechselnde Bilder, man liest mit. Versucht die Eindrücke zu bündeln und in
Verbindung zu bringen.
Dahinter bis zu 4 Schauspieler*innen. Zum Teil im Dunklen verborgen, in einem anderem Moment vom Licht in Erscheinung gebracht. Dank der Transparenz des Netzstoffes verschmelzen die Schauspieler*innen und die Illustrationen  zu einem Bild. Die Geschichte von „Prosa“ besteht so aus immer neuen Szenen, es wirkt wie aus einem Bilderbuch.

Eine dritte visuelle Ebene wird von Zeit zu Zeit sichtbar. Denn vor dem Netzstoff erscheinen schwebend die Abbildungen singender Frauen, ein Livemusik-Moment ohne die Sängerinnen wirklich ausmachen zu können. Nach dem Stück erfahren wir im Gespräch, dass die Sängerinnen unterhalb der Bühne stehen. Mit Spiegeln werden ihre Erscheinungen in den für die Zuschauenden sichtbaren Bereich reflektiert.
Ein trickreiches Stück.
Ein achtstimmiges Ensemble bringt vielfältige musikalische Klangteppiche hervor, verschachtelte rhythmische Passagen und schwebende Melodien, Mikrotonalität und Klänge wie aus orthodoxen Kirchen, gesungen mit russischem Text.

Die Bezeichnung dieses Stückes als „elektro-opera“ trifft in jedem Falle zu. „Prosa“ bedient sich zwei verschiedener Texte von russischen Autoren zur gleichen Zeit. Der Text des Autoren Yury Mamleev ist während des Stückes auf den Sprechblasen zu lesen, Anton Tschechows „Die Steppe“ wird von dem Frauenchor vorgetragen. Visuell beeindruckend und eine echte Herausforderung.

 

 

Text von Tilman and Maria Pätzold

Fotos: Olympia Orlova