Kategorien
Allgemein

WATCH OUT! –  Festival für Jung und Alt…oder doch nur für Jung? 

Wie bewegt sich eine Robbe, die einen Spielkameraden sucht? Wie verhalten sich verliebte Pinguine und wie stellt man am besten ein eierlegendes Huhn dar? Genau diesen Fragen ist die Choreografin Célestine Hennermann in ihrer Produktion „elephant walk“ nachgegangen. In ihrem Stück für Kinder ab 2 Jahren stellten zwei Tänzerinnen die Bewegungen von heimischen und exotischen Tieren äußerst bildhalft dar. Ihre Bühne war eine Konstruktion aus Bühnenplatten, welche im Kulturgarten hinter dem Festspielhaus aufgebaut waren. Als Bühnenbild dienten Plastikeimer und -wannen jeglicher Form, Größe und Farbe – ein bunter Haufen an Schildkrötenpanzern und Kamelhöckern. Die beiden Tänzerinnen gaben den tierischen Figuren ein doch sehr plastisches Bühnenleben und luden das interessierte Publikum im Anschuss, an die Performance, dazu ein, sich selbst in die Welt der Tiere zu begeben.

Mit „elephant walk“ war also der Start des diesjährigen Watch Out! Festivals eingeläutet.

Es folgten Vorstellungen von Miller de Nobili, LIGNA, Lotte Mueller und dem farbwerk Ensemble.

In „Main Charakter: Lost“ erforschte die dresdner Kompanie Miller de Nobili, womit Teenager häufig konfrontiert werden. Es ging um Erwartungen von Eltern, Lehrkräften und dem Umfeld, den Umgang mit dem eigenen Körper und individuellen Unsicherheiten und um das Zurechtfinden ineiner Welt zwischen Realität und Social Media. Drei Tänzer*innen erzählten die verschiedensten Geschichten vonJugendlichen. Tanz und Bewegungen vermischten sich mit Gesagtem und schafften eine eindrückliche Gesamtperformance. Die Geschichten setzen sich zusammen aus den eigenen Erfahrungen der Performenden und aus einem engen Austausch mit Jugendlichen aus München und Dresden. Gefördert wurde „Main Charakter: Lost“ durch explore danceund entstand daher in engmaschiger Kooperation mit verschiedenen Schulen aus ganz Deutschland. 

Mit LIGNA´s „A Room without Walls“ begaben wir uns gemeinsam mit Kindern aus den Philippinen, São Paulo, Frankfurt und Beirut auf die Suche nach einem Raum des Zusammenhaltes. Der Catch: hier gibt es nichts zu sehen, sondern nur zu hören! „A Room without Walls“ bedient sich einzig und allein an einem paar Kopfhörer und der Fantasie. Zu hören waren Kinder, die uns über die Kopfhörer anwiesen, bestimmte Bewegungen zu machen, oder uns in bestimmtenFormationen zu begegnen. So wurden wir beispielsweise zu Quallen, die durch die Tiefen des Ozeans schweben oder zu einem fest mit seinem Umfeld verwurzeltem Baum. Auch die Erarbeitung der Performance wurde hier und da in die Geschichte mit eingebaut. So erfuhren wir, dass die Kinder miteinander an Choreografien und Bewegungselementen arbeiteten, ohne sich dabei räumlich nah zu sein – sie erkundeten also, wie man sich gemeinsam in einem Raum ohne Wände begegnen kann.

Lotte Mueller entführte uns die eine etwas andere Welt der Akrobatik. Sehr viel ruhiger und etwas weniger spektakulär trafen drei Tänzer*innen in „BEYOND THE END OF YOUR NOSE“ auf der Bühne aufeinander. Gemeinsam versuchten sie eine Balance zu finden zwischen Ordnung und Chaos und Verantwortung. Mittendrin die Frage: was passiert, wenn sich alles verändert? In einem simplen Bühnenbild aus verschiedenen Teilen eines Schlagzeugs schufen sie andauernd neue Anordnungen und es ergaben sich neue Dynamiken zwischen den Tänzer*innen. Die einzige Musik, die zu hören war, kam von den Schlagzeugteilen. Doch auch diese wurden eher unkonventionell bespielt. So hing die Bass Drum beispielsweise nur an einem Seil von der Decke und wurde für jeden Ton leicht mit dem Fuß gekickt, während ein Beckenund ein weiteres Schlagzeugteil daneben auf dem Boden zeitgleich bespielt wurden. Oder eine der Performer*innen schwang an einer horizontal hochgezogenen Stange, welche an einem Ende an ein Ensemble von Schlagzeugteilen geschnürt war, und erzeugte so einen doch erstaunlichmelodischen Mix dieser Teile.

Das farbwerk Ensemble nahm die Zuschauer in ihrem Showing von „farbLAB: Begegnungen“ mit in eine von ihnen geschaffenen Wunschbehörde. Gemeinsam mit einigen externen Teilnehmenden erarbeitete das Ensemble des farbwerk e.V. seit Januar ein Showing, welches unter anderem die Themen „Arbeiten“, „Wünschen“ und „Lieben“ näherbetrachtete. Zu Beginn des Stücks verteilten einige Spieler*innen kleine Zettel, auf die das Publikum Wünsche schreiben und sie in einen Eimer werfen sollte. Es folgte eine Szene, in welcher eine Arbeitsstrecke dargestellt wurde. Immer wieder wurden die Abläufe an dem langen Tisch unterbrochen und es wurden verschiedenen Tagesabläufe vorgelesen. Die Abfolgen in den gelesenen Geschichtenwirkten eher trist und repetitiv. Das Ensemble kämpfte sich durch eine Performance, die offen legte, welche Hürden Menschen mit einer Behinderung oftmals überwinden müssen. Umso schöner und befreiender das Ende: die Gruppe scheint die Hürden gemeinsam überwunden zu haben und lädt dazu ein, ihren Erfolg gemeinsam tanzend zu feiern.

Das Watch Out! Festival hatte also wieder einmal viel zubieten. Doch konnte der transgenerationale Aspekt des Festivals ebenfalls gerechtfertigt werden? Die Stücke, die das Bühnenprogramm ausmachten, richteten sich vorwiegend an Kleinkinder, Kinder und Jugendliche und auch das Rahmenprogramm, welches dieses Jahr auf Grund der finanziellen Lage eher mau ausfiel, fokussierte sich deutlich auf junges Publikum. Neben einem Grafitti-Workshop und einem Tanzworkshop von Miller de Nobili, für Jugendliche ab 12 Jahren, reihte sich dieses Jahr auch die Fahrbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden mit einem Bilderbuchkino und vielen Angeboten für Outdoor-Spiele für Kinder ab 2 Jahren.

Vielleicht hätte es „Watch Out! – Festival für junges und junggebliebenes Publikum“ dieses Jahr besser getroffen. 

Ein Text von Charlotte Schumann