





Bei der Vorrunde vom SPH Bandcontest haben sechs Bands und Künstler teilgenommen. In Dresden können sie Kontakte zu knüpfen oder vielleicht auch entdeckt werden. Beim Eintritt an der Kasse wurden die Stimmzettel ausgeteilt. Die Wertung verlief zu 50 % durch das Publikum und zur anderen Hälfte durch die Jury. Daraus rechnet sich ein Durchschnitt zusammen, der dann als Ergebnis des Vorrundenentscheids gewertet wird.
Am Montagabend war ich zu Besuch, auf dem ersten Feature Ring der Veranstaltungsreihe im Jahr 2018. Das Ring Trio, bestehend aus Felix Otto Jacobi (Bass/Kontrabass), Eren Solak (Piano) und Demian Kappenstein (Schlagzeug) lädt zu jedem Feature Ring einen anderen Künstler ein, der dann begleitet wird.
Dieses Mal war zu Gast Lutz Adrian Streun, mit Bassklarinette und Tenorsaxophon im Gepäck.
Erstaunlich war, was für Geräusche er mit seinen Instrumenten erzeugen konnte und es hatte teilweise sehr wenig damit zu tun, was man sich vielleicht unter Bassklarinette vorstellt, wenn man diese noch nie gehört hat. Sie erzeugte groovige und zarte Klänge, die an Wind und Wellen erinnerten sowie rhythmische Töne die ziemlich modern klangen und an das scratchen von Schallplatten erinnerte.

2. Februar Bandcontest im Bärenzwinger mit Funk Fragment
2./3. Februar Bandstand in Hellerau
4. – 10. Februar Literaturwoche in Klotzsche
11. Februar Premiere Das grosse Heft im Staatschauspiel Dresden
12.Februar Jamsession im Ostpol
17. Februar Erobique im Beatpol
21. Februar Smile and Burn in der Chemiefabrik
28. Februar Fly sein in Radebeul
Ein Video an einer Leinwand. Kurze Ausschnitte und Aufnahmen der Darsteller sind zu sehen, dazu weitere zusammenhangslose Szenen: Eine Hand, die Klavier spielt, ein See.
Schlicht, ganz in schwarz gekleidet treten die 20 Jugendlichen – SchülerInnen des St. Benno Gymnasiums und des Berufsbildungszentrum aus Deutschland, Afghanistan, Somalia und Syrien – auf die Bühne. Was dann folgt, ist eine Aufarbeitung der Prometheus-Geschichte, eine Mischung aus Tanz, Gesang, Film, Schauspiel und Performance.
Aus der schwarzen Bühne bricht die Frau im leuchtenden Overall im stechenden Kontrast heraus. Maria Stuart, ehemalige Königin von Schottland, ist eine Gefangene in England. Ihre Cousine Elisabeth I, Königin von England, hält sie seit 19 Jahren gefangen. Die Handlung des Stückes lässt sich sehr schnell zusammenfassen. Eine Gruppe von Menschen diskutiert über den Tod von Maria Stuart.
Das Stück ist sehr sprachbasiert. Kaum Kulisse, schlichte Kostüme und wenig Orientierung. Die Sprache macht es auch nicht unbedingt einfacher dem Geschehen zu folgen. Der Text wurde im Schiller Sprachstil belassen, in den man sich schon erst ein paar Minuten einhören musste.



Wer das Große Glück oder Unglück hat einen Fernseher zu besitzen und Qualitätssender wie RTL oder Sat 1 konsumiert, der ist mit den Formaten DSDS oder Das Supertalent vertraut. Laien singen die Songs von Stars mehr oder weniger gut nach und werden dabei von einer „prominenten“ Jury entsprechend bewertet.
Die Hamburger Elektro-Marching-Band Meute dreht dieses Konzept quasi um. Wie das Genre schon vermuten lässt werden EDM Songs von einer Blaskapelle live vertont. EDM Musik zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass sie in der Regel auf dem Synthesizer kommt, sondern wird auch oft von musikalischen Laien oder Halblaien komponiert wird. Meute nimmt nun diese Kompositionen, die in ihrer Komplexität den ein oder anderen Jamba Klingelton unterschreiten, um sie mit 11 ausgebildeten Musikern live auf der Bühne zu spielen.
Ebenso wie bei den Castingshow stellt sich bei Meute die Fragen: Wieso das Ganze? Und welcher Mensch tut sich das freiwillig an? Und ebenso wie bei DSDS bleiben beide Fragen auf unbefriedigende Weise unbeantwortet.

Das Konzert begann mit einer Finte. Läutete das Orchester das Konzert noch mit einem klassischen Swingintro ein, so folgte plötzlich der Break und den besinnlichen Klängen folgte ein sehr stumpfer Elektrobeat auf zwei Tönen. Das Stroposkop strahlte üppig, die Konfettikanonen wurden gezündet und die Menschen fingen an im besten Clubstyle zu tanzen.
Und die Band spielt immer wieder dieselben beiden Noten, im gleichen Takt, minutenlang. Bip, Böp, Bip, Böp ….
Und so einfach kann man 20 Minuten Konzert füllen.
Die Band ratterte die Elektrobeats, unterbrochen durch nur kurze, kommentarfreie Pausen, runter. Arrangements, oder eigene Interpretation – Fehlanzeige, 8 Bläser und 3 Trommler waren stattdessen damit beschäftigt nicht mehr als 3 Töne pro Stück zu spielen und an den richtigen Stellen den Arm cool in die Luft zu strecken. In solchen Augenblicken wirkt ein Helene Fischer Auftritt wie eine Wagner Aufführung.
Mit You & Me von Disclosure begann der Höhepunkt und erster Lichtblick des Konzerts. Es sollte das einzige Stück bleiben, dass sich aus dem 4/4 Grundtakt erhob und bei dem die Bläser ansatzweise eine komplexe Melodie spielten. Die Band war darum bemüht die Zuhörer von diesem Schock der Abwechslung zu kurieren und sprang danach sofort zurück zum stumpfen EDM 3 Ton Gedudel, allerdings leicht variiert.

Pro Stück wurde nun ein Solo eingeschleust. Während diesem durfte sich der Solist auch wirklich an seinem Instrument austoben. Dieser Minimalkompromiss in Bereich – eigene kreative Leistung – wurde vom Publikum kaum bemerkt. Ein entsprechender Applaus für die Soli blieb dann auch meistens aus oder viel, wenn überhaupt, äußerst kläglich aus. Trauriger Höhepunkt war ein Stück bei dem sich das Orchester aufteilte und nicht nur unterschiedliche Melodien, sondern auch Rhythmen spielte. Eine Wendung dieser Art kam für das Publikum dermaßen unerwartet, dass spontane Tanzverweigerung die Folge war.
Meute scheint oft selbst nicht zu wissen was sie sein wollen: Eine optisch spektakuläre Variante eines DJs oder ein Blasorchester das sich dem EDM nähert, dabei aber die eigenen musikalischen Wurzeln mit einfließen lässt. Gerade diese Orientierungslosigkeit spiegelt sich in der Publikumsreaktion wieder. Geübte Clubgänger kommen mit schlichten Beats klar, sind aber von aufwendigen Arrangements überfordert, vor allem wenn ihnen diese ohne Vorwarnung oder Einleitung vor die Füße gerotzt werden. Das Ergebnis ist optisch ansprechend aber musikalisch unausgegoren. Und auch wenn das Publikum die Band immer wieder mit wilden Rufen und Applaus überschüttet, tut es das doch stets in einer Asynchronität zu den Musikern, die traurig und belustigend zugleich ist.
Und diese beiden Gefühle tragen einen durch den gesamten Abend mit Meute. Denn im Endeffekt schaffen es auch ausgebildete 11 Musiker nicht mehr aus simplen Elektrosongs rauszuholen, als Laien mit einem Synthesizer.
Text von Robert Sittner
Fotos von Max Patzig
Mehr Fotos von Meute im Beatpol findet ihr auf der Seite von Max Patzig