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Allgemein Film Musik

Musik und ihre Filme – Das Gestern ist das neue Heute

Im Rahmen der Workshopreihe #nextpress von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste erhielten journalistisch interessierte Jugendliche Einblicke hinter die Kulissen von BANDSTAND im Februar 2021. Unter professioneller Anleitung des Journalisten Rico Stehfest wurden die Werkzeuge der Pressearbeit erprobt und eigene Artikel zum virtuellen Musikfestival verfasst. 

Die 90er, was war das für eine wunderbare Zeit. Ich erinnere mich noch, wie ich einst auf dem Schulhof mit Freund:innen über den neuen Linkin Park Song sprach und mir partout der Titel nicht einfallen wollte. Die Rede ist von „In the End“. „Ich hab ein übelst cooles Lied gehört, mit dem Video mit nem Turm und nem fliegenden Wal!“ Jeder wusste sofort, worum es geht.

Letztendlich brachte die Beliebtheit musikalischer Fernsehformate meiner Generation unter anderem den Beinamen „MTV Generation“ ein. Doch wie steht es heute um die teils fantastischen, teils extravaganten, fast immer aber künstlerisch wertvollen Kurzfilme?
Den Grundstein für heutige Musikvideoproduktionen legten bereits die Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden „Sound Slides“, illustrierte Musikstücke, welche in amerikanischen Theatern aufgeführt wurden.
Die Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 und weitere Erfindungen zum simultanen Aufzeichnen von Bild und Ton ebneten den Musikvideos schließlich ihren Weg. Mit dem Aufkommen des Fernsehapparates in den 1960er Jahren hielten auch künstlerische Inszenierungen von Musikaufführungen Einzug in unsere Wohnzimmer. 1981 gegründet, strahlte MTV zunächst in den USA und 10 Jahre später auch in Deutschland täglich Sendungen rund um Musik und aktuelle Hits aus. VIVA hatte 1993 sein Debüt in der Fernsehprogrammlandschaft des deutschsprachigen Raums. In der zweiten Hälfte der 2000er gewann schließlich das Internet mit Plattformen wie YouTube oder MyVideo immer mehr an Bedeutung, was schließlich das Aus für VIVA hieß. MTV erweiterte sein Programmspektrum und konnte sich somit bis heute halten.

Musik und damit einhergehend auch Musikvideos sind jedoch weiterhin wichtiger Bestandteil des Sendeplans und gerade im Internet so präsent wie nie. Die Möglichkeiten, welche heutige Technik bietet, ein Musikstück zu verbildlichen, erscheinen schier grenzenlos. Ebenso vielfältig wie die Musik selbst sind die Videos, welche neben dem reinen Zweck, den Interpreten und seine Musik zu vermarkten, eine eigene Form der Kunst darstellen. Sieht man sich einmal die verschiedenen Clips über alle Genres hinweg an, wird klar, es gibt nichts, was es nicht gibt. Man findet Videos, welche modernen Hollywoodproduktionen in nichts nachstehen und teils ebenso aufwendig produziert sind. Dann gibt es Videoporträts, die gepaart mit der Musik der Selbstinszenierung dienen. Einige der Filme haben etwas Komödiantisches und zaubern uns ungewollt ein Lächeln auf die Lippen. Wiederum andere Videos sind so künstlerisch und abstrakt wie die Werke von Joseph Beuys oder Andy Warhol. Umgekehrt hingegen bietet ein Musikvideo auch die Möglichkeit, zum Beispiel gesellschaftliche Themen zu abstrahieren oder zu adaptieren. Solch komplexe Thematiken können dann sehr einfach, vor allem aber eindringlich einem breiten Publikum nähergebracht werden. Weiterhin können die Clips auch einen bestimmten Lifestyle vermitteln. Sieht man sich beispielsweise Videos bekannter Rapper an, wird schnell klar, wer hier der Boss ist und die „fette Kohle“ macht. Egal ob Lifestyle, politische oder gesellschaftliche Themen oder Ästhetik, immer gilt, Film und Ton harmonieren auf einer bestimmten Ebene und fusionieren so zu einem Gesamtkunstwerk.

Dass der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt sind, zeigt uns das BANDSTAND HELLERAU. Dort wurde am 12. und 13. Februar dieses Jahrs bewiesen, welches bisher ungenutzte Potenzial in Musiksendungen à la VIVA und MTV steckt, wenn man diese mit den Möglichkeiten sozialer Medien kombiniert. Aufgrund der Pandemie herrscht ein Verbot öffentlicher Veranstaltung, weshalb das BANDSTAND in seiner üblichen Form nicht stattfinden konnte. So wurde aus einem Musikfestival kurzerhand ein Musikfilmfestival samt Livechat, durch dessen Programm uns die Moderatorinnen Diana Ezerex und Joana Tischkau führten. Eine Reihe junger und innovativer Bands und Musiker:innen aus ganz Sachsen konnten so dennoch mit ihrer Musik begeistern. Eine grandiose Idee, die sich vielleicht auch andere Veranstaltungen zum Vorbild nehmen und uns als Zuschauer:innen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität hoffen lässt. Musikvideos sind keineswegs auf dem absteigenden Ast, doch unterliegen auch sie dem Wandel der Zeit.

Die einzige Konstante ist und bleibt die Veränderung. Das beinhaltet sowohl die Art der Darstellung als auch Ort der Veröffentlichung und die Art, wie wir solche Werke konsumieren. Das war schon immer so und wird auch weiterhin so bleiben.

Autor: Florian Wagner
Veröffentlichung: Elisa Kneisel und Eleanor Müller

entstanden im Rahmen von Bandstand 2021

Foto: Kate Rosed (Band: Good Posture)

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Allgemein Film Musik

Zusammenkommen während Social Distancing

Im Rahmen der Workshopreihe #nextpress von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste erhielten journalistisch interessierte Jugendliche Einblicke hinter die Kulissen von BANDSTAND im Februar 2021. Unter professioneller Anleitung des Journalisten Rico Stehfest wurden die Werkzeuge der Pressearbeit erprobt und eigene Artikel zum virtuellen Musikfestival verfasst. 

Wecker klingelt. Aufstehen. Mit Schlafanzug an dem Zoommeeting teilnehmen oder mit drei Kaffee intus die Aufgaben im Homeoffice abarbeiten. So oder so ähnlich ist gerade für viele der Alltag und irgendwann wird der tägliche Spaziergang auch irgendwie öde. Zum Glück gibt es kreative Köpfe in HELLERAU, die probieren, ein wenig Gemeinschaftsgefühl auf den Handy-Screen zu laden.
Aber erst mal ganz von Anfang. Worüber reden wir überhaupt? BANDSTAND ist ein Musikfestival für lokale Musiker:innen. Doch am 12. und 13. Februar 2021 entwickelte sich dieses zu einem alternativen MTV-Programm. Künstler:innen konnten ihre Musikvideos einreichen und somit Teil einer komplett digitalen Veranstaltungsreihe werden.

Doch wie unterscheidet sich BANDSTAND von anderen Konzerten während einer Pandemie, wo man sich auch wie beim gewöhnlichen Netflix Bingen Chips reinschaufelt? Die Antwort ist ganz kurz: Eine Telegramgruppe.
Es ging eigentlich schon vor der Premiere los. Es wurden Memes, GIFs und Sticker geteilt, um schon Tage davor in Partystimmung zu kommen. Man konnte die Bildschirme der anderen sehen, das Weintrinken innerhalb der WG, aber auch Rezepte für den nächsten Tag. Ein Kribbeln, Neugier, Aufregung und eine gewisse Ruhelosigkeit kamen auf, als die Moderatorinnen die Acts vorstellten. Die Beschreibungen waren vage. Die verschiedenen Stile nicht zu begreifen. Die eigene Vorstellungskraft führte in andere Dimensionen, die man nicht unbedingt verstehen konnte. Am spannendsten war dennoch der Austausch zwischen den Künstler:innen und dem Publikum. Die Grenzen fließen immer ineinander. Wer die wirklichen Protagonist:innen dieses Abends waren, konnte nicht begriffen werden. Medium und Publikum sind zusammen verschmolzen. Man konnte nicht mehr identifizieren, wer eigentlich einem gegenüber stand oder besser gesagt schrieb. Keiner wusste so richtig, dass auch die Künstler:innen im Chat schrieben. Also entdeckte man sich selber dabei, dass man eigentlich mit den Acts schrieb, aber dies erst fünf Minuten später realisierte.
Aber wer denkt, dass alles positiv war, irrt sich. Es wurde auch Kritik angesprochen. Die Vorstellung war eine andere, jemand war enttäuscht oder die Lieblingsband war nicht dabei. Jede Meinung war willkommen und man hat sich der angenommen.
Für alle, die jetzt traurig sind, dass sie BANDSTAND verpasst haben: Keine Sorge. Die einzelnen Musikvideos könnt ihr euch auch auf dem Youtube-Kanal von HELLERAU anschauen. Vielleicht sieht man sich nächstes Mal in echt und man kann herausfinden, wer sich hinter dem Avatar mit dem grünen Pulli am Barhocker verbirgt.


Autorin: Jaqueline Permanizki
Veröffentlichung: Elisa Kneisel und Eleanor Müller

entstanden im Rahmen von Bandstand 2021

Foto: PR Cocktail Napkin

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Allgemein Literatur und Lesungen

Dresden rechts außen (Beate Baum) – Ein Krimi mit Parallelen zur Wirklichkeit

Die Autorin Beate Baum nimmt den/die Leser*in mit in eine erschreckend realitätsnahe Geschichte, in der es an Spannung und Gefahren ebenso wenig mangelt wie an Anspielungen auf die politischen Verhältnisse in der sächsischen Landeshauptstadt.

Nach einer Kundgebung der Gruppierung Bedecha (Bewahrer des christlichen Abendlandes) zur Feier ihres Jahrestages und Gegendemonstrationen eskaliert die Situation auf den Straßen Dresdens. Als am nächsten Morgen ein Mitglied von Bedecha tot aufgefunden wird, gerät schnell ein Flüchtlingshelfer aus der linken Szene in Verdacht, den Mann umgebracht zu haben. Die beiden Journalisten Kirsten Bertram und Andreas Rönn sollen über die Demonstration und den Mordfall berichten. Doch bei ihren Recherchen in der linken und rechten Szene Dresdens stoßen sie auf zahlreiche Ungereimtheiten. Gemeinsam mit dem Privatdetektiv Dale Ingram versuchen sie den Fall aufzuklären, geraten dabei jedoch immer wieder in große Gefahr.

Das verheiratete Journalisten Ehepaar Kirsten Bertram und Andreas Rönn werden sehr sympathisch beschrieben. Beide halten an ihren Werten und moralischen Überzeugungen fest und setzen alles daran, den/die Täter*in einer gerechten Strafe zuzuführen. Kirsten ist eine gute Journalistin, die sich in ihre Storys hineinvertieft und konsequent umsetzt, was sie sich vorgenommen hat. Sie ist mutig und klug, agiert aber in brenzligen Situationen vorsichtiger und überlegter als ihr Mann Andreas, der meistens nur Andy genannt wird. Andy ist draufgängerisch und begibt sich selber bewusst in Gefahr. Er ist stur und lässt sich zumeist seine Pläne nicht ausreden, handelt impulsiv mit großer Bereitschaft zum Risiko, dennoch ist immer spürbar, dass er dies nur tut um der Werte und Überzeugungen willen, die ihm am Herzen liegen. Dale Ingram, Privatdetektiv aus New Jersey und Exfreund von Kirsten, kommt zurück nach Dresden und beteiligt sich an den Ermittlungen. Er agiert besonnener als Andreas und schätzt die Situationen aus professioneller Sicht ein. Dabei setzt er alles daran, Kirsten und Andy vor Angriffen zu schützten und den Fall aufzuklären, ohne dass sich die beiden unnötig in Gefahr bringen müssen.

Die Story ist mit vielen Parallelen zur Realität aufgebaut, sei es Bedecha, eine Organisation, die stark an PEGIDA erinnert, oder Parolen, die von der rechten Szene gebetsmühlenartig verbreitet oder lautstark artikuliert werden. Der schnelle und direkte Einstieg in das Geschehen nimmt die/den Leser*in sofort für Geschichte und die Stimmung des Buches, die von sehr viel Lokalkolorit lebt, ein. Der Schreibstil ist angenehm, die Geschichte wird flüssig erzählt.

Die Autorin hat die Einstellungsmuster und das Verhalten Rechter und besorgter Bürger*innen sehr gut recherchiert und auch die Verbindung der rechten Szene nach Amerika erscheint glaubwürdig . Man weiß und ahnt, von welchen realen Ereignissen einzelne Situationen inspiriert sind. Diese Realitätsnähe schafft eine beklemmende Atmosphäre. Beate Baum gelingt es, die Emotionen der Protagonist*innen sehr gut zu schildern und Unbehagen angesichts bestimmter Verhaltensmuster zu erzeugen. Einzelne Szenen versetzen die/den Leser*in eine schier unerträgliche Spannung und machen die Gefahren, in denen Kirsten und Andy übergangsweise schweben, äußerst glaubhaft. Wie es in den geschilderten Milieus zugeht, erfährt die/der Leser*in auf Schritt und Tritt hautnah mit den Romanprotagonist*innen.

So sehr sich der Spannungsbogen durch den Roman zieht und bis zum Schluss unklar bleibt, wer nun der/die Mörder*in ist, so früh ist schon vorhersehbar, wohin die sich die Handlung entwickeln wird. Durch die knappen Dialoge und schnellen, oft abrupten und willkürlichen Ortswechsel verlieren Gespräche und Handlung erheblich an Tiefgang. Wer sich dafür interessiert, wie die Ermittlungen und deren Ergebnisse aus Sicht der Polizei und Dale verlaufen, wird enttäuscht sein. Die Funktion und der Beitrag des Privatdetektivs zur Lösung des Falls werden nirgendwo klar herausgearbeitet.

Dennoch ist das Buch ein spannender und guter Krimi. Auch wenn es sich um einen fiktionalen Roman handelt, wird die Stimmung, die teilweise in Dresden seit 2015 herrscht, gut getroffen, insbesondere aber Einstellungen, Mentalitäten und Gewaltbereitschaft in der rechten Szene, die inzwischen tief in sog. Bürgerliche Kreise hineinreicht.

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Allgemein

Zwischen kinetischen Objekten und Komfortrauschen – unterwegs auf dem Bandstand

Here we go again! Naja, das gilt nicht für mich, der ich zum ersten Mal beim Bandstand war, aber sehr wohl für das Festspielhaus Hellerau, wo am 14. und 15.02. zum siebten Mal der Bandstand stattfand. Nach dem Kulturgeflüster-Workshop am Freitag war die Redaktion auch am Samstag vertreten.

Einen eindrücklichen Anblick boten gleich zu Beginn, beim Betreten des Vorplatzes, das bunt beleuchtete Gebäude und davor eine riesige Feuerschale, vor der sich auch schon eine Menschentraube angesammelt hatte, die den warmen Willkommensgruß sehr genoss. Nach dem Besuch der Kasse im Foyer sollte es um Acht im großen Saal auch schon beginnen.

Der Raum war beeindruckend. Von der Hauptbühne, die sich durch ihr Bühnenbild und die großartige Lightshow gleich als solche bestätigte, ging es, über die mit Sitzsäcken bestückte Tribüne zur sogenannten Skybar, deren Namensgeber eine als Decke umfunktionierte Leinwand war. Sie wurde den ganzen Abend von Beamern mit Schriftzügen wie „Bar“ und „Bandstand“ bespielt, was die Suche nach Getränken stark vereinfachte.Von dort hatte man auch einen tollen Blick in den großen Saal. Das Geschehen in den Nebensälen wurde rechts und links an die Wand projiziert, was auch sehr praktisch war.

An der Bar ging es auch gleich los mit dem Programm, und zwar mit „The Equipment“, einem Duo aus Falk Töpfer und Max Rademann, der dem ein oder anderen Hellerau-Gast kein Unbekannter sein dürfte. Die beiden kurbelten mit Songs wie „Der heißeste Mensch“, ganz im Disco/ Eurodance Stil die Stimmung an.

Dann ging es auch schon weiter mit LUT auf der großen Bühne. Sie spielten mit einer tollen Atmosphäre ihre souligen Jazz-Hop tracks in den sich füllenden Raum. Nach dem Auftritt war auf der Projektion zu sehen, dass das Konzert der Scary Foreigners im Dalcroze Saal begonnen hatte. Dort angekommen war das Geschehen bereits in vollem Gange, die vier Musiker bewiesen mit schwungvollen Riffs, Akkorden und Drum-Soli, dass bei ihnen alles andere als der Name Programm war.

Gleich darauf legten im großen Saal Memona los. Sie brachten mit Afrobeat und Funk das Publikum zum Tanzen und boten eine tolle Show mit einer Vielzahl an Instrumenten. Anschließend spielten Dörte und Weltwärts im Nancy Spero Saal. Begleitet von der Gitarre sangen sie sich ins Herz des Publikums.

Darauf war erstmal Luftschnappen angesagt, im Saal war es doch etwas warm geworden. Zeit, das Rahmenprogramm zu erkunden! Das Betreten des Ecksalons Ost, in dem die Ausstellung „Kinetische Objekte“ von Anushka Babushka zu sehen war, war wie in eine andere Welt einzutauchen. Von der Aufregung und dem Treiben bei, und auf den Bühnen war nichts zu spüren. Im Raum fand man eine Sammlung verschiedenster Ausstellungsstücke, die sich alle auf irgendeine Art bewegten, zum Beispiel eine Box mit zwei Armen, die sich kontinuierlich selbst nach vorne schob oder ein kleines Flügelpaar in einer Vitrine, das auf Knopfdruck anfing zu schwingen. Die Ausstellung hatte eine schöne, geheimnisvolle Atmosphäre.

Auf der gegenüberliegenden Seite, im Ecksalon West ging es dagegen ganz schön zur Sache. In einer interaktiven Installation konnten die Besucher*innen des Bandstands einen durchlaufenden Ambient Techno Soundtrack mitgestalten, indem sie die, kreisrund im Raum aufgestellten Hebel, Räder, Membranen und noch einiges mehr bedienten. Sie wurde im Laufe des Abends ausgiebig genutzt und es entstanden großartige Klanglandschaften. Außerdem gab es noch den Popisterror Tempel, in dem man sich ein gesellschaftskritisches Hip Hop Video anschauen konnte, einen kleinen PC in einem Aquarium auf dem den ganzen Abend mit viel Spaß Space Invader gespielt wurde und einen großen Stand mit Merch aller auftretenden Bands.

Doch zurück zum Programm. Als nächstes standen „Komfortrauschen“ und Jacob Korn auf der großen Bühne an und nachdem „The Equipment“ in der Pause nochmal richtig aufgedreht hatte, ging es auch schon los. Die starken Techno- und Housebeats von Jacob Korn, vermischt mit dem mit klassischen Instrumenten einer Band erzeugten minimal Techno von Komfortrauschen wirkten perfekt abgestimmt miteinander und hatten Power, die sichtbar an das Publikum übertragen wurde.

Dann ging es im Nancy Spero weiter mit Stina Mari, die ebenso wie der nachfolgende Act Annemarie Reynis und Band in Richtung Singer/Songwriter ging und eine angenehme Abwechslung im Programm bot. Im Dalcroze Saal waren eher elektronische Sphären angesagt. Dem, was „Sinistra“ mit Klängen und darauf gelesenen Texten an großartigen Soundscapes vollführte, stand „trans alp“, der gleich darauf an der Reihe war, keineswegs nach. Die Zuschauer*innen saßen wie gebannt im Raum und ließen sich von der Musik in Trance bringen.

Und wer dachte, dass der Abend so langsam auslaufen würde, lag falsch. Tam Tam Combony drehte nochmal richtig auf, sie spielten in einer ungewöhnlichen, aber nicht unpassenden Besetzung mit Hawaii-Gitarre, Mundharmonika, Bandoneon und Tenorhorn und schmissen die Leute mit gecoverten Hits wie „Gummybear“ oder „All that she wants“ nach einigem Tanzen aus dem Saal.

Insgesamt war der Bandstand 2020 eine sehr gelungene Veranstaltung, bei dem sowohl die Musik als auch das Drumherum überzeugte. Gerne wieder!

 

 

Text: Luca Hirsekorn

Fotos: Luca Hirsekorn

 

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Allgemein Fotografie Musik

Picturing the Bandstand – Eine Bildergalerie

Am 14.02. 2020 fand in HELLERAU, dem Europäischen Zentrum der Künste der Auftakt von Dresdens größtem Indoor-Festival der lokalen Bandszene , der sogenannte „BANDSTAND“, statt. Eine gute Gelegenheit sich mal in der Veranstaltungsfotografie auszuprobieren, finden wir! Deshalb hat Kulturgeflüster zusammen mit der Crossmedia Tour Dresden einen Workshop organisiert, bei dem die elf jungen Teilnehmenden auf dem Bandstand nach Lust und Laune fotografieren und dokumentieren durften. Das Ergebnis wollen wir euch nicht vorenthalten:

 

Blick von außen auf das Festspielhaus. Auf dem großen Platz erleuchtet die große Feuerschale das Treiben und gibt Möglichkeit, sich aufzuwärmen.

Foto: Luca Hirsekorn

 

 

 

Neben den musikalischen Acts gab es eine Vielzahl an Installationen überall im Festspielhaus zu bewundern. So zum Beispiel die Ausstellung Kinetische Objekte von Anushka Babushka.

Foto: Alexander Zahn

 

Frei im Haus bewegte sich das Künstlerinnen-Kollektiv KOMA, die man bei audiovisuellen Pop up Performances beobachten konnte. Von ihnen stammt dieser ungewöhnliche Altar.

Foto: Tom Simmank

 

 

 

Im Ecksalon West hatte das Publikum die Möglichkeit bei „Music is my Radar“ von kazoosh! selbst aktiv zu werden und über diverse Objekte, Dinge mit Knöpfen, Kurbeln, Hebeln, Drehrädern,  einzelne Tonspuren zu starten. Dabei visualisierte ein riesiger auf den Boden projizierter Radar das Geschehen in verschiedenen Farben.

Foto: Nele Wiedemann

 

 

 

 

 

Und auch die größte Bar des Abends mutete eher wie ein Kunstwerk an.

Foto: Alexander Zahn

 

 

 

Neben diesen visuellen Highlights im und vor dem Festspielhaus gab es aber vor allem viel zu hören an diesem Abend: 13 Bands spielten auf drei Bühnen und brachten das Publikum zum Tanzen, Lachen, Headbangen oder einfach nur zum andächtigen Lauschen.

Zum Beispiel „Die Affen“, die insgesamt vier mal an unterschiedlichen Orten zusammenkamen und musizierten. Foto: Jasper Bendix

 

 

 

Die erste Band auf der Hauptbühne „Cedric“ spielte melodischen Postpunk.

Foto rechts: Tom Simmank, Foto links: Susen Riediger

 

 

 

Mit das größte Highlight des Abends war der Auftritt von „Andi Valandi & Band“.

Foto: Jakob Müller

 

Foto links: Nele Wiedemann, Foto rechts: Susen Riediger

 

 

 

 

 

 

 

                       Foto: Susen Riediger

Auch zu hören gab es die Bands „Jaguwar“, „Alice Roger“, „Triggerkid & The Ending Man“ und „Space Raptor“.

Jaguwar, Foto: Jakob Müller

 

Alice Roger während ihres Auftritts. Foto links: Florian Wagner, Foto rechts: Lisa Jäger

 

 

 

 

 

 

Der große Saal mit Publikum, Foto: Mihail Fomin

 

Die Bands Space Raptor (links) und Triggerkid & the Ending Man in Aktion. Foto links: Luca Hirsekorn, Foto rechts: Jasper Bendix

 

 

 

 

 

 

 

Unser Dank gilt HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Crossmedia Tour Dresden, die diesen Workshop ermöglicht haben. Danke außerdem allen Teilnehmenden für die wunderbaren Fotos.

 

Titelfoto: Alexander Zahn

Text: Theresa Wünsch

 

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Allgemein Tanz und Theater

LAP DANCE – eine Einladung der Dresden Frankfurt Dance Company seiner Kreativität freien Lauf zu lassen

Am 09.02.2020 war es wieder soweit: Jung und Alt trifft sich in HELLERAU, um der Dresden Frankfurt Dance Company beim Tanzen zuzusehen. Die nach ihren Förderern, zwei Landeshauptstädten, benannte Company tritt an diesem Tag ein letztes Mal mit LAPDANCE auf, aber keine Sorge: Seit 2015 kann man die DFDC dreimal jährlich im Festspielhaus zu Gesicht bekommen. Wer mehr über das Festspielhaus und seine Bemühungen, barrierefrei zu werden, die Company und deren Stücke erfahren will, dem kann ich empfehlen, sich einmal eine Einführung in Gebärdensprache anzusehen oder anzuhören, die es manchmal vor den Aufführungen gibt.

Nun aber zur Performance LAPDANCE an sich, welche diesmal in zwei Teile gegliedert war. Beim Betreten des Großen Saals  hatte man die Möglichkeit, sich vor oder neben die Bühne zu setzen, auf der sich die Tänzer langsam einfanden, um sich, so sah es aus, aufzuwärmen. Im Hintergrund, auch auf dem Tanzteppich, konnte man außerdem ein Streichquartett entdecken, welches den ersten Teil mit Werken des ungarischen Komponisten Béla Bartók begleitete. Nach ein paar Minuten aber entzogen sich die 16 Tänzer dem Blickfeld des Publikums, damit pünktlich um 16.00 Uhr das Stück beginnen konnte.

In den folgenden 25 Minuten bot sich dem Betrachter ein Stück, begleitet von den Klängen des Streichquartetts, welches an eine Übungssituation erinnerte. Der Einwurf des Wortes “Go” oder verschiedener Zahlen verstärkte diesen Eindruck, war aber auch dafür verantwortlich, dass man sich weniger dazu eingeladen fühlte, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und sich vorzustellen, was die Tänzer darstellten, weswegen mir persönlich der zweite Teil besser gefiel. Nach einer kurzen Pause trafen sich hier die Zuschauer und Tänzer wieder, die Musik des Streichquartetts allerdings wurde durch zeitgenössische Musik vom Band ersetzt. Im Kontrast zum sehr hellen und eher schlichtem, ohne Requisiten auskommenden ersten Teil von LAPDANCE war es nun sehr dunkel, die Beleuchtung war gedimmt und die Lichtquellen kamen primär von den Requisiten der Tänzer: stabförmige LED-Lichter, dünne Plastikfolien oder Tüten, die getragen von heliumgefüllten Kissen als Hüte fungierten, einem tischähnlichen Wagen und auf kleineren Wägen geschobene Gasflaschen. Dieser Anblick war zunächst bizarr, man suchte eine Verbindung zwischen allen Objekten und Geschehnissen auf der Bühne, entdeckte immer neue Bilder: eine wunderbare Vorlage, sich Geschichten zum Getanzten auszudenken.

“Das dort ist der Probenleiter. Wenn Sie den nicht sehen, dann ist alles in Ordnung”, so Frauke Wetzel während der Stückeinführung. Nun ja, wir haben ihn zwar gesehen, denn auch er war neugierig, was vor dem Stück so erzählt wird. Dennoch kann man nicht behaupten, dass bei dieser Aufführung etwas nicht in Ordnung gewesen wäre, im Gegenteil: Die Dresden Frankfurt Dance Company gibt einem immer wieder einen guten Grund das Festspielhaus im Dresdner Norden zu besuchen.

 

Text: Ingrid Hering

Fotos: Dominik Mentzos

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Allgemein Theater

Je oller, je doller – Die Travestie-Theatershow geht zu Ende

Sie treffen sich täglich um viertel nach Drei… am 01.02.allerdings zum letzten Mal.

Die Rede ist von Christel-Marie Popovic, Liliane Fiedler und Ottilie Neumann, den Hauptdarstellerinnen aus „Je oller, je doller – Die Travestie-Theatershow“ im Boulevardtheater Dresden. Nun geht die beliebte Musikkomödie in die finale Staffel.

Seit der Premiere am 16.04.2017 konnten Besucher die Inszenierung bereits über 50 Mal live erleben. Am 01.02.2020 findet die 56. und letzte Vorstellung der Erfolgsproduktion statt. Vorher sind die Tortenladies noch vom 24.-27.01. auf der großen Bühne zu sehen. Zum Abschied am 01.02. gibt es im Anschluss an die Show noch die „Disco im Foyer“.

Das Theaterstück erzählt die Geschichte dreier älterer Damen, die täglich bei Kaffee und Torte über das Leben philosophieren und die ein oder andere Anekdote zum Besten geben.

Hauptakteure sind Christel-Marie Popovic, eine aus Jugoslawien stammende Dame, die Design studiert hat, Liliane Fiedler, die weiß was sie will und sagt was sie denkt und sowas mal eine Miss-Wahl –in Rathen – gewonnen hat und Ottilie Neumann, der Konterpart zu Lilly, die ihr Herz am rechten Fleck hat und ihre große Liebe in süßen Leckereien gefunden hat.

Verkörpert werden die Damen von jungen Männern. Manuel Krstanovic (Christel-Marie), Andreas Köhler (Lilliane) und Michael Kuhn (Ottilie) schlüpfen in glamouröse Kleider und hohe Schuhe und präsentieren die besten Seiten der Weiblichkeit.

Ganz nach dem Motto „Aber bitte mit Sahne“ schlemmen die Drei ordentlich auf der Bühne.

Die Zuschauer erwartet eine turbulente Theatershow über Freundschaft, Liebe und das Leben. Versüßt wird die Show mit einer Menge feministischer Hits von Helga Hahnemann bis Gloria Gaynor und von Hildegard Knef bis hin zu Lady Gaga, einer Menge Kalorien, sowie viel Charme und Humor.

Neben vielen lustigen und verrückten Szenen und einer Pyjamaparty, gibt es auch einige bewegende Momente, in denen die Drei ihre emotionalen Seiten zeigen und Herzen zum Schmelzen bringen.

Selbst bei der anfangs unnahbaren Cordula kommt am Ende ein weicher Kern zum Vorschein. In der finalen Staffel wird die Rolle von Stefanie Bock (bekannt u.a. aus „KiKANiNCHEN“, „Verbotene Liebe“ und zahlreichen weiteren Produktionen aus dem Boulevardtheater Dresden) verkörpert, da Originalbesetzung Katharina Eirich Nachwuchs erwartet.

Wer nun noch einmal das Stück voller Musik und Tanz, Liebe und Herzschmerz, Witz und Glamour miterleben möchte, hat noch die Chance sich unter

https://boulevardtheater.de/produktion/je-oller-je-doller-die-travestie-theater-show.html

Karten zu sichern.

 

Beitragsbild: R. Jentzsch // Boulevardtheater Dresden

Beitrag: Lisanne Richter, Melina Israel

 

 

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Allgemein Kunst Theater

Prosa – Ein Abend mit einer russischen Performance

Am 10. Januar waren wir zu Gast in HELLERAU – dem Europäischen Zentrum der Künste für die Eröffnung des Festivals mit dem ungewöhnlichen Namen „Karussell“, welches Kunst- und Kulturschaffende aus Russland zeigt, die zeitgenössische russische Performance Art in Dresden präsentieren. An diesem Abend sahen wir ein Stück des Regisseurs und Komponisten Vladimir Rannev:

Prosa

Ein anziehendes Bühnenbild. Mit schwarzen Platten ist der große Saal vom Boden bis zur Decke geteilt. Nach gehaltenen Eröffnungsreden erhebt sich ein Teil dieser Teilung. Ein umrahmter Raum wird sichtbar.

Ca 7x3m, ein Gefühl als würde man in einen Fernseher schauen; das visuelle Bühnenbild verstärkt dies: Von einem Beamer auf einen Netzstoff projizierte Illustrationen mit auf deutsch verfassten Sprechblasen als Text, schnell wechselnde Bilder, man liest mit. Versucht die Eindrücke zu bündeln und in
Verbindung zu bringen.
Dahinter bis zu 4 Schauspieler*innen. Zum Teil im Dunklen verborgen, in einem anderem Moment vom Licht in Erscheinung gebracht. Dank der Transparenz des Netzstoffes verschmelzen die Schauspieler*innen und die Illustrationen  zu einem Bild. Die Geschichte von „Prosa“ besteht so aus immer neuen Szenen, es wirkt wie aus einem Bilderbuch.

Eine dritte visuelle Ebene wird von Zeit zu Zeit sichtbar. Denn vor dem Netzstoff erscheinen schwebend die Abbildungen singender Frauen, ein Livemusik-Moment ohne die Sängerinnen wirklich ausmachen zu können. Nach dem Stück erfahren wir im Gespräch, dass die Sängerinnen unterhalb der Bühne stehen. Mit Spiegeln werden ihre Erscheinungen in den für die Zuschauenden sichtbaren Bereich reflektiert.
Ein trickreiches Stück.
Ein achtstimmiges Ensemble bringt vielfältige musikalische Klangteppiche hervor, verschachtelte rhythmische Passagen und schwebende Melodien, Mikrotonalität und Klänge wie aus orthodoxen Kirchen, gesungen mit russischem Text.

Die Bezeichnung dieses Stückes als „elektro-opera“ trifft in jedem Falle zu. „Prosa“ bedient sich zwei verschiedener Texte von russischen Autoren zur gleichen Zeit. Der Text des Autoren Yury Mamleev ist während des Stückes auf den Sprechblasen zu lesen, Anton Tschechows „Die Steppe“ wird von dem Frauenchor vorgetragen. Visuell beeindruckend und eine echte Herausforderung.

 

 

Text von Tilman and Maria Pätzold

Fotos: Olympia Orlova

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Allgemein Tanz und Theater

Wenn der Hellerauer Tanzteppich in Flammen steht: „Floor on Fire – Battle of Styles“

Ballet, Contemporary, Voguing und Breakdance: Tänzer*innen dieser Tanzstile trafen am Samstag in Hellerau aufeinander um bei „Floor on Fire – Battle of Styles“ gemeinsam gegeneinander anzutreten. In insgesamt sieben Battles ging die Tanzfläche im Großen Saal des Festspielhauses zum wiederholten Mal in Flammen auf. Es wurde kombiniert, improvisiert, gejubelt, geklatscht, gestampft, Musik gespielt, aber vor allem mit aller Leidenschaft getanzt.

Es ist 17:30 Uhr, zehn Tage vor dem Ende des Jahres 2019, der Parkplatz des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau ist voll, vor und im Festspielhaus tummeln sich die Zuschauer. Hier treffen sich Alt und Jung, Tanzbegeisterte und jene, die sich zum ersten Mal eine solche Veranstaltung anschauen, alle hatten sie das Glück, schnell genug eine Karte für die Veranstaltung bekommen zu haben. 20 Minuten später öffnen sich endlich die Türen des Großen Saals und die Leute verteilen sich auf die zwei Tribünen, links und rechts der Tanzfläche. Neben dem Tanzteppich, der an den Ecken, in denen gleich die Teams ihre Positionen einnehmen werden, rot ist, steht DJ Kid Cut und bereitet sich auf den bevorstehenden Abend vor. Vorbereitung: eine Sache, die den Tänzer*innen bei Floor on Fire im Laufe des Abends fehlen wird…

18:00 Uhr ist es dann endlich soweit. Die beiden Moderatoren begrüßen das Publikum und stellen die vierköpfigen Teams der verschiedenen Tanzstile vor: Balletttänzer*innen der Staatsoperette, Vertreter*innen der zeitgenössischen Tanzszene in Dresden, die Contemporary tanzen, Voguing-Tänzer*innen des House of Saint Laurent (früher bekannt als House of Melody)  und Mitglieder der ostdeutschen Breakdance Crew „The Saxonz“. In vier kurzen Choreografien stellen sie ihre verschiedenen Tanzrichtungen vor und geben dem Publikum schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Abend.

Während sich die Tänzer*innen nun kurz wieder zurückziehen, erklären die beiden Moderatoren das Prinzip von Floor on Fire: Bei dem Format, welches 2015 von Hellerau und „The Saxonz“ ins Leben gerufen wurde, geht es darum, die Individualität und Vielfalt des Tanzes zu zeigen. Es werden Tänzer*innen ganz verschiedener Stile und Ästhetiken zusammengewürfelt, um zu Musik, die sie vorher nicht kennen, gemeinsam zu improvisieren und in Battles gegen die anderen Teams anzutreten. Über Gewinner und Verlierer entscheidet eine Jury, in der Kathrin Kondaurow (Intendantin der Staatsoperette), die European Mother Leo of House Saint Laurent, Helge-Björn Meyer, Leiter der Servicestelle FREIE SZENE, und ein Tänzer der Crew „Söhne des Kreises“ sitzen. Das fünfte Jurymitglied, ein zufällig ausgewählter Zuschauer, erfährt jetzt erst von seinem Glück, auf einem der roten Stühle sitzen zu dürfen, von denen aus im Laufe des Abends die Entscheidungen gefällt und verkündet werden sollen.

Dann starten auch schon die ersten Battles. Paare mit Tänzer*innen unterschiedlicher Stilrichtungen, die zwei Stunden vor der Aufführung wahrscheinlich zum ersten Mal gemeinsam getanzt haben, präsentieren ihr Können. Ein Tänzer sorgt mit Weihnachtspullover und- Mütze für eine weihnachtliche Atmosphäre und sogar für den einen oder anderen Lacher im Publikum. Wenn man sich die Tanz-Kombinationen so anschaut, hätte man am liebsten alle behalten und zum gemeinsamen Tanz auf den Tanzteppich gelassen, aber nach den dreirundigen Battles muss leider immer ein*e Tänzer*in die Bühne verlassen. Viermal entscheidet die Jury, welches Team gewinnt und sich eine*n der gegnerischen Tänzer*innen aussuchen darf, um im Halbfinale wieder anzutreten.

Nun ist sie auch schon um, die erste Stunde beim Battle of Styles. Den Zuschauer*innen wird die Gelegenheit gegeben, sich etwas zu essen oder zu trinken zu holen oder den Tanzteppich zu betreten, während backstage das Halbfinale Thema ist. Nach der Pause geht es allerdings noch nicht direkt weiter. Zuerst gibt es einen kleinen Wettbewerb, bei dem jede*r Zuschauer*in einmal über die Bühne laufen, tanzen oder springen darf und die Chance hat, einen Workshop bei Mother Leo of House Saint Laurent in der TENZA-Schmiede zu gewinnen. Die kleinste der mutigen Zuschauer*innen hat, dem Beifall nach zu urteilen, klar die Sympathie des Publikums gewonnen.

Im nun anstehenden Halbfinale tanzen immer drei Tänzer*innen zusammen, die sich als Sieger am Ende zwei weitere Tänzer*innen des anderen Teams aussuchen, die sie im Finale unterstützen dürfen. In den fünf Runden der zwei Battles sieht das Publikum ein weiteres Mal, wie vielfältig Tanz sein kann und wie gut sich die verschiedenen Stile kombinieren lassen. Leider gab es eine kleine Meinungsdifferenz zwischen dem einen Gewinnerteam und dem Publikum bei der Auswahl der Tänzer für das Finale. Denn entgegen den Wünschen der meisten Zuschauer*innen entschieden sich die Tänzer*innen gegen Alexei C. Bernard von der Staatsoperette, der sich daraufhin mit einem wunderbaren Stepptanzsolo verabschiedete.

Nachdem nun auch noch einmal die Jury in einem kleinen Interview zu Wort gekommen war, war es endlich Zeit für das große Finale des letzten Floor on Fire 2019. In 5 Runden setzten die 10 Tänzer ein letztes Mal den Tanzboden in Flammen und es kristallisierte sich endgültig das Gewinnerteam heraus.

Doch eigentlich gab es bei Floor on Fire – Battle of Styles am 21.12.2019 nur Gewinner. Natürlich lebt ein Wettbewerb von der gegenseitigen Konkurrenz, dem Übertrumpfen, dem „noch eins draufsetzen“, aber dieser hier zeigt besser als viele andere, dass es nicht um die Spaltung in Gewinner*innen und Verlierer*innen geht. Wenn das Publikum, die Tänzer*innen und alle anderen Anwesenden am letzten Samstag eins gelernt haben, dann, dass die Verschiedenheit und Individualität den Tanz – aber das lässt sich auch auf viele andere Dinge im Leben übertragen – zu etwas ganz besonderem macht, vor allem, wenn es darum geht, zu kombinieren und zu vereinen. Das ist aber nicht alles, was die Tänzer*innen mit auf den Weg gaben. Sie und DJ Kid Cut sorgten für eine hervorragende Stimmung, die dann auch in der Aftershowparty viele Zuschauer*innen auf dem Tanzteppich teilen konnten.

Nach dem Ende des Wettbewerbs blieb glücklicherweise noch die Zeit für ein kurzes Gespräch mit Alexei, dem Zuschauerliebling im Weihnachtspullover. Er stammt aus Sydney, hat dort im Alter von vier Jahren mit dem Stepptanz begonnen und übt diese Leidenschaft nun mit Perfektion aus. Inzwischen arbeitet der 26-jährige an der Staatsoperette in Dresden als Balletttänzer. Auf die Frage, wie es sich anfühle, Zuschauerliebling zu sein reagierte er äußerst erfreut, da er seinen Beruf aus Liebe zur Kunst des Tanzes gewählt hat, was man ihm auch anmerkt.

Das Format von Floor on Fire, die scheinbar kuriose Zusammenstellung verschiedener Tanzstile, ist nicht ohne Grund jedes Mal schon in weniger als 30 Minuten nach der Ticket-Freischaltung restlos ausverkauft. Das etwas andere Tanzbattle ist auf jeden Fall einen Besuch wert und vielleicht ja auch ein gutes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk, denn was ist schöner als gemeinsam und mit Spaß verbrachte Zeit?

 

Text: Ingrid Hering und Gabriel Muck

Bilder: Stephan Floss

 

 

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Theater

Medea – leicht und brutal

Medea die Kindsmörderin. Medea die rachsüchtige Hexe. Medea die Brudermörderin. Medea die Fremde. Medea die Täterin. Medea das Opfer.

Jede*r erzählt die Geschichte der Kolcherin, die Jason half, das goldene Vlies zu stehlen und dann mit ihm nach Korinth kam, anders. Schon in der Antike gab es verschiedene Versionen der Erzählung, die besonders prominent von Euripides und Christa Wolf niedergeschrieben wurde.

Die Darstellung der Medea in der Inszenierung der Schauspielregiestudentin Rieke Süßkow orientiert sich jedoch nicht an diesen beiden altbekannten Interpretationen der Geschichte Medeas, sondern wählt die Motive des deutschen Schriftstellers und Dramatikers Hans Henny Jahn. Süßkow überträgt diese eigentlich im antiken Korinth spielende Tragödie außerdem in die westliche Moderne. So ist Medea weder Fremde im Land, Zauberin oder kaltblütige Rächerin, sondern ganz einfach Teil einer vollkommen „normalen“ Familie: Vater, Mutter und zwei Söhne. Doch auch in dieser Version des Stoffes geht es um Liebe, soziale Stellung und Macht. Nur werden diese Kämpfe nun nicht in einer Stadt – Korinth – und ihrer Gesellschaft ausgetragen, sondern die Situation wird auf das eigene Heim und die Familie heruntergebrochen.

Das Stück zeigt elementare Probleme einer Familie auf: die sich verflüchtigende Liebe eines Elternteils zum anderen, die Bevorzugung eines Kindes, Konflikte zwischen den Geschwistern, Konflikte zwischen den Eltern. Machtspiele. Wer hat die Familie im Griff? Jason oder Medea? Mal scheint es, als habe Medea alles unter Kontrolle, selbst Jason, im nächsten Moment schlägt dieser sie und würdigt sie herab, indem er sich vor anderen über sie lustig macht und sie als dumm und naiv darstellt. Und er ist fasziniert. Doch nicht von seiner sich kümmernden Ehefrau Medea, sondern vielmehr von einer attraktiven Blondhaarigen, die er Medea vorzieht und für die er sie verlässt.

Von diesem Punkt an geht es mit der Familie bergab. Als Medea dann noch eine Nachricht erhält, deren Inhalt man nur erahnen kann, entlädt sich ihre angestaute Wut auf Jason über der Überbringerin der Nachricht, die dabei verletzt wird. Die Kinder, welche alles gesehen haben, verlieren dadurch jegliches Vertrauen in ihre eigene Mutter und leben von nun an in Angst. Aber nicht nur die Beziehungen zwischen den Charakteren verändert sich, sondern auch die Personen selbst. Medea wird von der perfekten Hausfrau zu einer fahrigen, immer noch an ihrem Mann hängenden Mutter, die scheinbar gefasst ist, sich aber immer mehr in den Wunsch einer perfekten Familie hineinsteigert. Die Söhne, die sich in dieser haltlosen Zeit in eine inzestuöse Liebe zueinander zu retten versuchen, passen dabei nicht ins Bild. Aus Rachsucht an Jason oder aus Wut über das unzüchtige Verhalten der Brüder – so genau lässt sich das nicht erkennen – , erstickt sie ihre Kinder und inszeniert mit ihren leblosen Körpern ein ganz normales Abendessen und wartet auf Jason. Was bleibt ist eine vernichtete Familie.

Das Stück mischt Leichtigkeit und Brutalität. Einerseits der leichte, seichte Alltag und die durch Tänze dargestellte oberflächliche Fröhlichkeit und Perfektheit einer Familie, in der die eigentlichen Probleme unterdrückt werden, andererseits der Mord an den Söhnen in seiner ganzen unfassbaren Kaltblütigkeit. Auch wenn kein Wort gesprochen wird, gelingt es der Inszenierung, sowohl die Gefühle der Personen und deren Veränderung als auch das Geschehen deutlich werden zu lassen, auch wenn einzelne Details unklar bleiben.

Durch die Verkörperung Medeas als eine Frau der westlichen Moderne wirken ihre Taten, ihr Charakter und ihre Empfindungen nicht mehr fremd und fern wie in manch anderer Darstellung. Der Kindsmord, der sich sonst leicht in einer als barbarisch empfundenen Vergangenheit verortet lässt, die mit uns heute nichts mehr zu tun hat, auch wenn uns der tägliche Blick in die Zeitung eigentlich eines Besseren belehren müsste, wird dadurch mit aller Wucht in unsere Mitte gezerrt. Er ist gegenwärtig. Aber das hat nichts mit der herrschenden Moral zu tun, denn Kindsmord widerspricht allen als menschlich empfundenen Regungen, vollkommen jenseits von Zeit und Raum. Nein, es geht um etwas ganz anderes. Es geht um das Dunkle in jedem von uns, um das Unbeherrschbare, Zerstörerische, und es geht um die Furcht vor dem Moment, in dem dieses Dunkle hervorzubrechen und uns und alles, was uns wichtig ist, zu vernichten droht. Um diesen klitzekleinen Moment. Der Kindsmord – er ist hierfür letztlich nur die monströse und absolute Metapher.

 

Text: Leah Strobel

Bilder: Nadja Häupl